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Zuger Brauchtum

Zuger
Brauchtum

gelebt und gepflegt

Zuger Brauchtum – Teil einer kulturellen Vielfalt

Eine grosse Zahl an Bräuchen und Traditionen wird auf kleinstem Raum im Kanton Zug gelebt und gepflegt. Sie sind Teil einer kulturellen Vielfalt und bieten Zuziehenden die Möglichkeit zur Integration und den hier aufgewachsenen Zugerinnen und Zugern ein Stück Heimat.

Viele Menschen engagieren sich für die gelebten Zuger Bräuche – meist mit der Motivation verbunden, sich für die Gesellschaft gemeinnützig einzusetzen und zu den eigenen Wurzeln Sorge zu tragen.

Diese Anliegen sind auch der Zuger Kantonalbank wichtig. Deshalb unterstützen wir mit einem grossen Teil unserer Vergabungen die Pflege des hiesigen Brauchtums und tragen so Sorge zum kulturellen Erbe.


1

Ende Januar – Kolinplatz und Fischmarkt, Zug

Bäckermöhli

Das Bäckermöhli dürfte so alt sein wie die Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug, die 1686 neu entstanden ist. Die Müller und Bäcker wählten die heilige Agatha (5. Februar) als Patronin ihrer Zunft und verteilten jeweils an diesem Tag Brötchen. In den Protokollen wird das organisierte Verteilen und Auswerfen von Mutschli erst vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erwähnt. Heutzutage spendet der Ehrenobmann der Zunft jeweils 500 Kilogramm Mehl, woraus die Zuger Bäcker mehrere hundert Mutschli und Guetzli backen. Das Auswerfen am Hauptbott erfolgt jeweils von der Terrasse des Hotels Ochsen und vom Restaurant Aklin. Zudem verteilen die Zünfter die Backwaren aus Taschen direkt an Kleinkinder und Mütter. Beim Auswerfen rufen die Kinder laut und wiederholt: «Bäckermöhli!»

baeckerzunft.ch

«Traditionen sind wichtig in der heutigen Zeit. Sie erlauben eine Rückbesinnung auf unsere Wurzeln und sind Konstanten im Leben.»

Dr. Felix Horber

Dr. Felix Horber

Obmann der Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug

Bäckermöhli Collage

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Anfang Februar – Zuger Altstadt

Greth Schell

Der Greth-Schell-Brauch ist um 1740 entstanden: Greth Schell trägt am Fasnachtsmontag ihren angetrunkenen Mann in einem Rückentragkorb nach Hause und wird von sieben farbig gekleideten Löli (Kumpanen des Gatten) durch die Zuger Altstadt begleitet. Die Kinder rufen dabei «Greth Schälle Bei» und werden von den Löli aufgefordert, noch lauter zu rufen, um dann mit Orangen, Mutschli, Gebäck, Würstchen und verschiedenen Süssigkeiten belohnt zu werden. Allzu Aufdringliche werden von Greth Schell mit ihrer Rute und von den Löli mit «Süüblootere» zurechtgewiesen. Ende des 19. Jahrhunderts war der Brauch verwahrlost, und die traditionellen Kostüme befanden sich in einem schlechten Zustand. Der Hauptbott der Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer der Stadt Zug stimmte am 14. Februar 1887 dem Kauf der gesamten Ausrüstung der Greth-Schell-Gruppe zu. Seither hütet und bewahrt die Schreinerzunft diesen Brauch.

schreinerzunft-zug.ch

«Ich habe ‹Greth› in den Genen. Meine Mutter hat damals die Plätzli auf die neuen Löli-Gewänder aufgenäht, und ich war selbst – wie schon früher mein Vater – als Greth Schell unterwegs.»

Fritz Weber

Fritz Weber

Ehrenmeister in der Schreinerzunft

Greth Schell

3

Mitte Februar – Zuger Innenstadt

Chrööpfelimee

Das Chrööpfelimee-Singen geht auf das 16. oder 17. Jahrhundert zurück. Damals musste das fasnächtliche Tanzen und Maskentreiben Punkt Mitternacht vor Aschermittwoch enden. Durfte der Bursche nach dem Tanz ein Tüchlein seiner Tanzpartnerin behalten, galt dies als Einladung am Alt- Fasnachtssonntag zu Wein und Krapfen im Elternhaus des Mädchens. Freunde des Paares stellten sich vors Haus, brachten den Verliebten ein neckisches Ständchen und erhielten dafür ebenfalls Wein und Krapfen. Da sie oftmals «noch mehr Krapfen» verlangten, erhielt der Brauch den Namen Chrööpfelimee. Heutzutage brennen in der Stadt Zug jedes Jahr am Sonntag nach Aschermittwoch an ausgewählten Häusern rote Lichter, die darauf hinweisen, dass ein verlobtes oder jung verheiratetes Paar auf ein Ständchen wartet. Verschiedene Gesangsgruppen singen auf ihre Liebe und werden dafür mit Krapfen und Wein belohnt. Dieser Brauch wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis 2008 von der Trachtengruppe der Stadt Zug gepflegt und ist seit acht Jahren in der Obhut der Zunft der Schneider, Tuchscherer und Gewerbsleute der Stadt Zug.

schneiderzunft.ch

«Als Ur-Zuger und langjähriges Mitglied der Schneiderzunft ist es mir ein persönliches Anliegen, diesen alten und einzigartigen Brauch weiter zu pflegen.»

Ernst Moos

Ernst Moos

Chrööpfelimeemeister der Zunft der Schneider, Tuchscherer und Gewerbsleute der Stadt Zug

Chrööpfelimee

4

Ende Juni – Zuger Altstadt / Kirche St. Michael

Chriesisturm

Der Brauch Chriesisturm geht zurück bis ins 18. Jahrhundert, ist aber im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Als in alten Zeiten die Kirschen im Frühsommer reif waren, wurde mittags um zwölf Uhr die grösste Glocke der Kirche St. Michael eine Viertelstunde lang geläutet. Diese Chriesigloggä ist 1711 erstmals urkundlich erwähnt. Die Zugerinnen und Zuger hatten daraufhin das Recht, mit Leitern und Körben ausgestattet auf die Allmend zu eilen, um dort selber Kirschen zu pflücken. Seit 2008 läutet die Chriesigloggä wieder jedes Jahr und gibt damit das Zeichen zum Start der Chriesisaison. Seit 2009 rennen in Anlehnung an die alte Tradition einige Läuferteams mit 8,1 Meter langen Kirschenleitern durch die Zuger Altstadt. Gleichentags beginnt der Chriesimärt, und auf dem Landsgemeindeplatz wird ein Mittagessen mit rassiger Chriesiwurst und süssem Chriesisturm für die Bevölkerung organisiert.

zugerchriesi.ch

«Ich liebe Chriesi, Kirsch, Kirschstängeli und Traditionen.»

Peter Speck

Peter Speck

Vizepräsident des Vereins IG Zugerchriesi

Chriesisturm

5

Mitte Juli – Neuheim

Einachser-Rennen

1998 wetteiferten sechs Kollegen darum, welcher der eigenen Einachser wohl der schnellste sei. Schliesslich schlug einer vor, auf einem Acker ein Rennen auszutragen. Zur grossen Überraschung aller fanden bereits beim ersten, improvisierten Rennen 22 Fahrer und 300 Zuschauer den Weg zur Rennstrecke: Das Einachser-Rennen in Neuheim war geboren. Seither ist der Anlass stetig gewachsen. Die Organisatoren mussten die Zahl der Teilnehmer, die mittlerweile aus der ganzen Schweiz anreisen, auf 100 limitieren. Die Fahrer treten in verschiedenen Kategorien gegeneinander an, und durchschnittlich zwei- bis dreitausend Besucher verfolgen das laute Spektakel, das bei jedem Wetter durchgeführt wird. Das Einachser-Rennen in Neuheim ist das erste in der Schweiz und fand nach einem kurzen Unterbruch 2015 zum 12. Mal statt.

club-edelwiis.ch

«Wir konnten es nicht fassen, dass das Einachser-Rennen 2009 enden sollte. Also liessen wir die Tradition wiederaufleben und sorgen so für einen Spass bei Jung und Alt in unserem Dorfleben.»

Claudia Meier, Elias Waltenspühl

Claudia Meier (Administration) und Elias Waltenspül (Chef OK)

Neuheim

Einachser Rennen

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August – Steinhausen

Grand Prix Freudenberg

Seit 1964 organisiert das Leitungsteam der Jungwacht Steinhausen immer am ersten Wochenende nach den Sommerferien den Grand Prix Freudenberg. Das legendäre Seifenkistenrennen wird im unteren Teil der Bannstrasse in Steinhausen ausgetragen. Dabei rasen junge Rennfahrerinnen und Rennfahrer drei Mal die ziemlich steile, 380 Meter lange Strecke in ihren selbst gebauten «Rennboliden» hinunter, wobei der schnellste Durchgang zählt. Gefahren wird in zwei Kategorien: Seifenkisten mit Hartgummirädern und solche mit schnellen Lufträdern. Maximal zwei Fahrer dürfen sich eine Seifenkiste teilen. Die Gewinner erhalten Pokale, die weiteren Ränge Medaillen. Ausserdem wird die originellste Seifenkiste ausgezeichnet.

jungwacht-steinhausen.ch

«Der Grand Prix Freudenberg ist ein fröhlicher Event für die ganze Familie. Die Jungwacht Steinhausen ist stolz darauf, eine solche Tradition aufrechterhalten zu können.»

Loris Steiniger, Philipp Jost

Loris Steiniger (links) und Philipp Jost (rechts)

An- und abtretender OK-Präsident

Grand Prix Freudenberg

7

Sommer – Kloster Heiligkreuz Cham

Kräuterwissen

Zurückgehend auf Benedikt von Nursia, der die Mönche zur Krankenpflege verpflichtete, verbreitete sich ab dem 8. Jahrhundert durch die Ordensgemeinschaft der Benediktiner die Arzneimittelkunde in Europa. Der Klostergarten spielte dabei als Lieferant wichtiger Heilpflanzen eine zentrale Rolle. In der Zentralschweiz unterhalten heute elf Frauenklöster einen eigenen Kräutergarten. 1862 gründeten die Olivetaner Benediktinerinnen in Cham das Kloster Heiligkreuz. Der Kräutergarten in der heutigen Grösse besteht seit 30 Jahren. In liebevoller und geduldiger Handarbeit werden die Blumen und Kräuter gesammelt, fachgerecht getrocknet, zu Kräutertees und anderen Kräuterprodukten verarbeitet und schliesslich im eigenen Klosterladen verkauft. Mit Führungen und Kräuterpraktika geben die Schwestern ihr Wissen weiter.

kloster-heiligkreuz.ch

«Wir freuen uns sehr, wenn wir die Menschen mit unserer Begeisterung für die Pflanzenwelt anstecken können.»

Sr. Marta, Sr. Theresita

Sr. Marta (links) und Sr. Theresita (rechts)

Kloster Heiligkreuz

Kräuterwissen

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Anfang September – Stierenmarktstallungen Herti Zug

Stierenmarkt

Mit dem Ziel der einheitlichen Zucht organisierte der Braunviehzuchtverband 1898 erstmals den Stierenmarkt in Zug. Zug war mit bis zu 1600 ausgestellten Stieren von Anfang an der grösste und bedeutendste Stierenmarkt der Schweiz. Mit der Einführung der künstlichen Besamung ab 1960 sank die Zahl der gezeigten Stiere auf 250. Gesellschaftlich geniesst der Zuger Stierenmarkt auch heute noch einen hohen Stellenwert. Das Festzelt und das Marktgeschehen in den einzigartigen Stallungen im Herti-Quartier ziehen jeweils Einheimische wie auch Tausende von Besuchern aus der ganzen Schweiz an. Der Stierenmarkt beginnt immer am Dienstag in der ersten ganzen Septemberwoche mit der Auffuhr der Tiere. Der Mittwoch und der Donnerstag sind Ausstellungs- und Verkaufstage.

braunvieh.ch

«Ich bin begeistert vom Zuger Stierenmarkt. Wenn es den Stierenmarkt nicht gäbe, müsste man ihn erfinden!»

Lucas Casanova

Lucas Casanova

Direktor Braunvieh Schweiz

Stierenmarkt

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Anfang November – Baar

Räbeliechtli-Umzug

Mitte der 70er-Jahre wurde die Strassenbeleuchtung im Baarer Dorfkern erstmals für den Räbeliechtli-Umzug gelöscht. Seither tragen jedes Jahr im November rund 400 Kindergärtler die selbst geschnitzten und kunstvoll verzierten Räben als Liechtli durchs Dorf. Die Räben werden gemeinsam mit den Eltern in den Kindergärten geschnitzt. Die Kinder versammeln sich am Umzugstag beim Eindunkeln bei der Rathus-Schüür und laufen dann auf einer festgelegten Route durchs Dorf. Zum Schluss singen die Kindergärtler begleitet von der Feldmusik das Räbeliechtli-Lied «Es chrüselet es Lüftli» und werden mit Brezeln verpflegt. Im Mittelalter waren die Räben ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Bereits damals wurden sie als Erntedank zu Lichtern geschnitzt und herumgetragen.

«Auch nach 30 Jahren motivieren uns die strahlenden Kinderaugen immer noch, den Räbeliechtli-Umzug zu organisieren.»

Eva Wicki, Martina Schuler

Eva Wicki (links) und Martina Schuler

Kindergartenlehrpersonen, Baar

Räbeliechtli Umzug

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Erste Dezemberwoche – Ägerital

Chlauseslä

Schriften aus dem 16. Jahrhundert belegen, dass das Chlauseslä zu den ältesten Bräuchen im Ägerital zählt. In jeder Gemeinde wird der Brauch leicht unterschiedlich gelebt. So beginnt beispielsweise das Chlauseslä in Alosen am 5. Dezember kurz vor fünf Uhr abends, wenn der Chlaus im bischöflichen Ornat begleitet von Schmutzlis, Iffäläträgern, Triichlärn, Kuhhornbläsern und Geislächlepfern von Haus zu Haus zieht, dort die Kinder mahnt und lobt und kleine Gaben verteilt. Erhält der Tross selbst eine Gabe, wird diese mit einer an einem Stock befestigten Börse mit Eselsohren eingesammelt.

chlauseslae.ch

«Das Chlauseslä wurde mir in die Wiege gelegt: Schon mein Grossvater und mein Vater haben sich für diesen Brauch eingesetzt.»

Beat Meier

Beat Meier

Gruppenchef Chlauseslä, Alosen

Chlauseslä