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Do, 06. Sep 2018

In unserer schnelllebigen Welt sehnen sich Menschen nach Tradition.

Thomas Huwyler, Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2019, hat alle Hände voll zu tun. Rund 120‘000 Arbeitsstunden werden er und sein Team zusammen mit den freiwilligen Helfern bis zum Ende des Eidgenössischen Schwingfests leisten.

Arena

Was die grossen Herausforderungen sind, wie er überhaupt zu seinem Job kam und warum aus dem ESAF keine Glanz & Gloria-Veranstaltung werden soll, verrät er uns im grossen Interview. Ebenso spricht er über die zunehmende Digitalisierung im Schwingsport und Traditionen, an denen Menschen festhalten.

Digitalisierung am ESAF

«Wir haben zwei Welten auf der Tribüne. Die Besucher, die sich auf den Zwischenranglisten mit Kugelschreibern Notizen machen, und diejenigen, die auf dem Smartphone die Ranglisten runterladen. Wir müssen beiden Welten Lösungen anbieten. Hier sind wir gefordert», sagt Thomas Huwyler. Das ESAF beginnt nicht erst im August 2019. Schon heute werden auf Instagram unter dem Hashtag #ESAF19 Fotos gepostet. Das Organisationskomitee muss den Spagat zwischen traditionellen Werten und digitalen Möglichkeiten meistern – und das rund um die Uhr. Die Besucher an Schwingfesten – nicht nur am ESAF – haben heutzutage unterschiedliche Ansprüche. Da gibt es diejenigen, die überfordert sind, ihren Campingplatz mit der Kreditkarte auf einer digitalen Buchungsplattform zu reservieren und wiederum andere, die es als selbstverständlich ansehen, auf dem Festgelände ihre Bratwurst mit TWINT, ein bargeldloses Zahlungssystem, zu bezahlen. Diese Herausforderung zu meistern ist nicht einfach. Thomas Huwyler erklärt: «Der rund 220-seitige Festführer verbrauchte 20 Tonnen Papier. Davon landete das meiste nach dem Fest im Kehricht. Heute drucken wir nur noch einen kleinen Pocketplaner und sparen so 18 Tonnen Papier ein. Da macht Digitalisierung für mich Sinn. Wir tun was für die Nachhaltigkeit. Die Zwischenranglisten wird es aber zum Beispiel weiterhin geben für 1 Franken. Die Besucher machen sich darauf Notizen und auch das Täfeli wird weiterhin von Hand gedreht. Das sind Erlebnisse, die das Schwingfest ausmachen. Wir sind noch weit davon entfernt einen Würfel über der Arena zu haben, der zeigt, wer gerade schwingt – so wie im Eishockey. Aber auch wir müssen Apps, Social Media und moderne Zahlungsfunktionen berücksichtigen.»

Sicherheit am ESAF

56‘500 Plätze in der Arena, ein über 70 Hektar grosses Festgelände und hunderttausende Besucher – das erwartet uns am ESAF 2019 in Zug. Eine grosse Herausforderung ist bei diesem Menschenansturm die Sicherheit. Was genau macht Thomas Huwyler diesbezüglich? «Wir setzen mehrere Massnahmen um. Ein Thema ist zum Beispiel die Verkehrsinfrastruktur. Wie kommen die Besucherinnen und Besucher mit dem Zug nach Zug und wie vom Bahnhof auf das Gelände? Ebenso bilden wir Rettungsachsen auf dem Gelände, wir stellen Blaulichtstrecken sicher und arbeiten eng mit allen Blaulicht-Organisationen zusammen. Es ist auch dafür gesorgt, dass genug Feuerwehrautos und Wassertanks auf dem Gelände platziert sind.» 2013 kam es in Burgdorf beinahe zu einem Vorfall, da der Platz hinter einer Tribüne zu eng war. Da kann schnell Panik ausbrechen. Thomas Huwyler meint: «Enge Platzverhältnisse sind nie gut. Wir sorgen dafür, dass es überall so weitläufig wie möglich ist. Rund 25 Personen im OK-Team beschäftigen sich ausschliesslich mit dem Thema Sicherheit.» Wird es Kontrollen geben? «In keiner anderen Sportart ist es möglich, in ein Stadion oder eine Arena mit Rucksack, Messer, Wein und Verpflegung zu gehen. Weltweit ist das Schwingfest in dieser Art einmalig.

«Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht.»

Es funktioniert aber, weil die meisten Zuschauer selbst einmal Schwinger waren oder sich aktiv im Schwingclub oder mit dem Schwingen beschäftigen. Sie leben die Traditionen Respekt und Fairness – auch auf der Tribüne. Wenn einer dumm tut, regelt man das unter sich. Es ist friedlich und somit machbar», erklärt Thomas Huwyler und fügt an: «Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht.»

Strukturen wie ein KMU

«Ich bin zu 100 Prozent fest angestellt als Geschäftsführer des ESAF und leite 8 Abteilungsleiter und 7 Stabsstellenleiter. Insgesamt sind wir rund 110 Leute, die ehrenamtlich oder im Mandatsverhältnis arbeiten. Das OK-Team ist strukturiert und organisiert wie ein Unternehmen», erklärt Thomas Huwyler und ergänzt: «Wir haben Abteilungen wie IT, Kommunikation und Marketing, Recht, Sicherheit, Infrastruktur und so weiter. Anders würde so ein Grossanlass gar nicht funktionieren.» Was wird nach dem ESAF aus dem OK-Team? «2020 suche ich mir einen neuen Job,» meint Thomas Huwyler und lacht: «Ich habe beinahe 30 Jahre bei Ernst & Young Schweiz gearbeitet. Als 2015 die Möglichkeit kam was Neues zu starten, habe ich diese Chance gepackt. Ich habe meinen Job bei Ernst & Young geliebt. Wenn du aber mit 54 Jahren die Möglichkeit hast, noch etwas ganz anderes zu machen, etwas Einmaliges, dann musst du zugreifen. Ich geniesse es unter den Schwingern zu sein. Schon damals, in den 80er Jahren, als ich anfing die Finanzen für den Schwingclub Zug zu übernehmen, habe ich die Abwechslung zum Berufsalltag geschätzt. Die Pension wird aber auch 2020 kein Thema für mich sein. Was aber kommen wird, weiss ich noch nicht.»

Kein Glanz & Gloria, bitte

«Für viele Schwinger wird das Sponsoring immer lukrativer. Dafür steigt aber auch der Druck. Sichtbar wird das, wenn Schwinger sich nicht mehr zuerst die Hand geben und das Sägemehl abstreichen, sondern zuerst ausgiebig jubeln. Das finde ich schade, hingegen habe ich auch ein wenig Verständnis dafür: Der Druck auf die jungen Schwinger, insbesondere der mediale Druck, ist sehr gross. Schwingen lebt von Tradition und Partnerschaft. Im Sägemehl und auch Drumherum ist grosses Tamtam fehl am Platz.» Werden denn Stars zum ESAF eingeladen? «Die eine oder andere Persönlichkeit aus der Politik werden wir sicherlich einladen. Aber wenn Sie nach Stars fragen: Nein, wir verschicken keine Einladungen an Stars. Auch nicht an Roger Federer!», meint Thomas Huwyler schmunzelnd.

Zu guter Letzt Herr Huwyler: Wer wird gewinnen? «Das weiss man beim Schwingen nie. Aber ich glaube, dass Sämi Giger, Armon Orlik, Joel Wicki oder Christian Stucki gute Chancen haben. Schlussendlich ist das aber auch nicht so wichtig für mich.

«Wenn ich meinen Job richtig gemacht habe, könnte ich mir theoretisch daheim eine Bratwurst braten»

Wenn ich meinen Job richtig gemacht habe, könnte ich mir theoretisch daheim eine Bratwurst braten», meint Thomas Huwyler lachend. «Nein im Ernst. Wenn morgens um halb acht die Schwinger eintreffen und um 7.45 Uhr über 50‘000 Menschen die Nationalhymne singen, dann ist Gänsehaut-Feeling angesagt. Ich werde rund um die Uhr vor Ort sein, mir eine Matratze ins Büro legen und die Atmosphäre einsaugen. Es ist doch schön zu sehen, dass bei all der Globalisierung und Digitalisierung Werte und Traditionen noch immer so präsent sind.»

Vielen Dank für das Interview.

Thomas Huwyler

Thomas Huwyler, Geschäftsführer des Eidg. Schwing- und Älplerfests 2019 in Zug


Kategorien: Interview OK


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