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Do, 25. Jul 2019

«Ich beurteile nur, was ich auch sehe!»

Alex Stocklin wird am Eidgenössischen Kampfrichter sein. Wie er mit dieser Verantwortung umgeht, was ihm eine Ehre ist und mit welchen Herausforderungen Kampfrichter heutzutage zu kämpfen haben, hat er uns im Interview verraten.

Alex-Stocklin

Vom Aktivschwinger zum Kampfrichter

Seine Schwingerkarriere hat er seinem Vater zu verdanken. Dieser war bereits als Schwinger im Schwingklub Oberwil-Zug aktiv. Als Elfjähriger, im Jahr 1993, trat er im Bubenschwingen das erste Mal an. Knapp 20 Jahre später beendete Alex aber seine Karriere. «Mit 18 Jahren habe ich mir das erste Mal das Kreuzband gezerrt. Danach rappelte ich mich wieder hoch. Doch zehn Jahre später passierte es erneut. Zwar war es das andere Bein, doch der Antrieb ging damit verloren. Ich war nie ein verbissener Schwinger. Zwar mit Herzblut dabei, aber als Amateurschwinger wollte ich nicht alles riskieren. Und in diesem Alter hat man auch noch andere Prioritäten», sagt Alex lachend. Dem Klub blieb er aber treu. «Ich habe in den vielen Jahren dank dem Klub einiges erleben dürfen. Es war mir immer klar, dass ich etwas zurückgeben will, und aus diesem Grund engagiere ich mich auch heute noch.» Elf Jahre war Alex Technischer Leiter, seit 2017 ist er Kassier. Da er in seiner Funktion als Technischer Leiter der Aktiven immer auf der Suche nach Kampfrichtern war, lag es nahe, dass er selbst diesen Weg einschlägt.

Aufgaben eines Kampfrichters

«Ich teile den Kampf nicht ein, ich bewerte ihn. Wer gegen wen schwingt, ist Aufgabe des Einteilungsgerichts. Sie geben mir entsprechend das Notenblatt ab. Ich kontrolliere, ob die beiden richtigen Schwinger auf dem Platz stehen, korrekt gekleidet sind und die Täfeli-Buben die Nummern korrekt eingestellt haben. Mit rund fünf Metern Abstand zu den Schwingern führe ich den Gang und achte darauf, dass es fair zu und her geht. Die Zeit habe ich stets im Auge, und schlussendlich bewerte ich den Gang.» Wie wichtig ist dabei die Neutralität? «Wer nicht neutral ist, hat auf dem Platz als Kampfrichter nichts verloren. Der Schwinger, der den besseren Tag hat, soll gewinnen!»

Viele Meinungen – ein Resultat

Wenn der Lieblingsschwinger verliert, haben einige Fans keine Freude. Schnell werden von ihnen die Videoaufnahmen vom Kampf immer wieder geschaut und im Internet verbreitet. Oft mit Aussagen wie: «Der wollte das doch gar nicht sehen!» Wie geht man damit um? «Das ist in der Tat eine Herausforderung! Als Kampfrichter muss ich in Millisekunden entscheiden, ob die Schulter am Boden war oder nur das Hemd. Die Zuschauer, die davon – oftmals mit über 30 Metern Abstand – Videos machen, schauen sich den Vorgang immer und immer wieder an. Manche sehen eben dann nur das, was sie sehen wollen. Schlimm ist, wenn solche Sachen im Netz landen und man für etwas angeprangert wird. Wichtig ist, dass jeder Zuschauer weiss, dass wir Kampfrichter neutral sind und nicht zugunsten eines Klubs bewerten.» Kampfrichter werden regelmässig geschult und auch kontrolliert. Die Aussage: «Die wissen doch schon am Morgen, wer am Abend gewinnt!», ist völlig deplatziert.

Ein guter Kampfrichter …

… «ist nah dran und springt entsprechend schnell zum Geschehen. Meine Erfahrung als Aktivschwinger hilft mir dabei. Meistens erkenne ich den Wurf und weiss, in welche Richtung die Schwinger sich bewegen werden.»

… «bereitet sich vor. Am Abend vorher lege ich alles parat, überprüfe mein Equipment und gehe früh ins Bett. Ich bin fit am Tag des Festes.»

… «beurteiltet nur das, was er sieht. Für Interpretationen hat es keinen Platz.»

Der entscheidende 7. Gang

Alex Stocklin hat die Ehre, für den Schlussgang am ESAF eingeteilt zu sein. Zusammen mit einem Berner und einem Ostschweizer Kampfrichter wird er im Einsatz stehen. Zum Einsatz kommt er aber nur, sofern kein Innerschweizer Schwinger im Schlussgang steht. Denn sobald ein Innerschweizer schwingt, müssen gemäss Reglement Kampfrichter aus anderen Regionen den Kampf beurteilen. So bleibt die Fairness gewahrt. «Das ist eine grosse Ehre! Aber wenn ich ehrlich bin: Mein Herz schlägt zu fest für die Innerschweiz. Ich würde mich freuen, wenn einer oder besser noch zwei Innerschweizer Schwinger im Schlussgang am Eidgenössischen stehen. Da verzichte ich gerne auf diese Ehre!»

Wird ein Zuger Schwingerkönig?

«Einen Favoriten habe ich nicht. Reichmuth Pirmin ist top vorbereitet, Wicki Joel ist ein Anwärter. Die Liste der möglichen Sieger ist lang. Es würde mich natürlich freuen, wenn es ein Innerschweizer werden würde. Stellen wir uns das mal vor! Da wäre am Sonntagabend nicht Schluss mit Feiern. Da würde das Fest bis Montagabend dauern», meint Alex schmunzelnd und ergänzt: «Schön wäre es, wenn der Sieger auch der entsprechende Typ wäre. Denn als Schwingerkönig steht man im Rampenlicht. Schwingerkönig ist man fürs Leben!»

Wir wünschen Alex Stocklin viel Erfolg am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug und danken für das Interview.

Alex Stocklin ist im Vorstand beim Schwingklub Oberwil-Zug. Dort ist er zurzeit als Kassier tätig. Besonders gern erinnert er sich ans Innerschweizer Schwingfest in Ruswil vom letzten Jahr. Rund 15’000 begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer haben für ihn das Fest als Kampfrichter zu etwas Besonderem gemacht. Generell mag Alex Bergfeste. Das sei immer eine Ehre.

«Schwingerkönig wird man nicht mit Glück. Der Beste wirds. Wir werden es bald erfahren.»

Alex Stocklin, Kampfrichter am ESAF 2019 Zug


Kategorien: Fest


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