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«Männer schwingen, Buben spielen Fussball»

Von wem wohl diese Aussage stammt? Er ist kein Unbekannter, so viel sei schon mal verraten. Am Valentinstag 1961 in Cham geboren, war er 1986 der bisher einzige Schwinger aus dem Innerschweizer Teilverband, der Schwingerkönig wurde.

Heinrich (Harry) Knüsel

Er bezwang am Eidgenössischen in Sitten 1986 im Schlussgang den grossen Favoriten Ernst Schläpfer durch das Abfangen eines Brienzers. Mehr dazu aber später. Na, wer hier gemeint sein könnte? Natürlich, keine Frage, Heinrich (Harry) Knüsel. Der Innerschweizer gewann aber nicht nur den Königstitel, sondern im Laufe seiner 15-jährigen Karriere auch mehrmals die drei bedeutendsten Bergfeste auf dem Stoos, der Rigi und dem Brünig. Total hat er 66 Schwingfestsiege gefeiert. Mit dem Feiern sei es aber so eine Sache, erklärt Harry Knüsel im Interview: «Der Alltag hat einen nach einem Sieg sofort wieder und auch die nächsten Schwingfeste stehen schon an.

«Ich kenne meine Reaktionen nur aus den Videos, die gemacht wurden.»

Da bleibt keine Zeit, seinen Ruhm zu feiern. Nach meinem Sieg im 1986, als ich Schwingerkönig wurde, da habe ich rund 7 Minuten und 30 Sekunden alles gegeben. Und was passiert danach? Mir fehlt die folgende Viertelstunde komplett. Ich kenne meine Reaktionen nur aus den Videos, die gemacht wurden.» Sein Sieg war in der Tat spektakulär. Ernst Schläpfer, sein Gegner, war damals Titelverteidiger. Er hatte bereits zwei Königstitel gewonnen und war damit eigentlich prädestiniert, die Krone ein weiteres Mal zu erschwingen. Er war siegessicher, gewann aber eben nicht das dritte Eidgenössische. Hier punktete Harry Knüsel. Aber sehen Sie sich selbst diesen fantastischen Sieg an.

Ein grossartiger Moment, der in Erinnerung bleibt

1986 war das Jahr von Harry Knüsel

Er gewann den Königstitel und hatte zuvor schon 20 Schwingfeste besucht, von denen er es 16 Mal bis zum Schlussgang schaffte und schlussendlich 13 Mal gewann. Dies macht so schnell keiner nach.

Was müsste man mitbringen, um gegen ihn anzutreten, also natürlich zur damaligen Zeit?

«Heute bringen die aktiven Schwinger rund 110 kg bei durchschnittlich 1,85 m auf die Waage. Früher waren die Werte eher tiefer. Am wichtigsten ist aber nicht unbedingt die Statur, sondern die mentale Stärke. Man muss den Sieg wirklich wollen. Auch mit dem umgehen können und wollen, was im Anschluss folgen wird. Nicht jeder steht gern im Rampenlicht.»

Haben sich denn grundsätzlich die Trainingsmethoden geändert?

«Die Methoden sind schon ein wenig moderner geworden, aber auch schon früher haben wir um die 12 bis 15 Stunden in der Woche trainiert. Davon 60 Prozent im Schwingkeller verbracht und die restlichen 40 Prozent wurden in Konditions- sowie Krafttrainings und eben auch ins mentale Training gesteckt. Ach, und die richtige Ernährung war damals auch schon wichtig, nur wurde im Gegensatz zu heute nicht so ein Hype drum gemacht.»

Apropos Hype: Werden Schwingfeste momentan nicht gar extrem gehypet und immer mehr zur Chilbi?

«Die Chilbi findet ausserhalb der Heiligen Arena, so nennen wir sie, statt. Von daher ist es nicht schlimm. Ich bin beim ESAF 19 in Zug übrigens nicht nur Botschafter, sondern auch Restaurantbetreiber (Königshaus und Kolinbar). Bei solch einem Ansturm an Menschen braucht es auch Verpflegung. Wichtiger finde ich, dass die Arena eine werbefreie Zone bleibt. Egal von welchem Sitzplatz aus: Es ist kein Logo weit und breit zu sehen. Das finde ich wichtig. In der Arena geht es um den Sport. Um nichts anderes.»

Werbung bringt aber auch Geld, vor allem den erfolgreichen Schwingern, oder nicht?

«Die Richtlinien für die Selbstvermarktung wurden gelockert, nur die Könige verdienen aber wirklich Geld. Und auch dann nicht jeder. Nicht alle haben den Wunsch im Rampenlicht zu stehen. Es gibt sicherlich einige, die sich eignen würden, die beliebt sind, aber die es schlichtweg nicht möchten.»

Was wir also gelernt haben:

Grosse Unterschiede zu früher gibt es nicht unbedingt. Immer noch sind die Statur, der Siegeswille und das harte Training ausschlaggebend für den Sieg.

Aber wie kommt er zu der Aussage, dass «Männer schwingen und Buben Fussball spielen»? Da lacht er, der Harry Knüsel, und meint:

«Ich habe eher spät mit dem Schwingen angefangen. Überredet wurde ich von meinem Lehrmeister. Während meines Trainingsunterbruchs habe ich meine Kollegen, die ich beim Schwingen kennenlernte, immer zu den Schwingfesten gefahren. Ich war älter und hatte schon die Autoprüfung. Irgendwann dachte ich mir, ich will wieder mitmachen. Wenn mich heute Eltern fragen, warum ihr Kleiner schwingen soll, sage ich immer: «Männer schwingen, Buben spielen Fussball».

Danke für das Interview, Harry.


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