Übersicht

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz / ISO 20022

Mit der Einrichtung eines einheitlichen Euro-Zahlungsraumes SEPA im Jahre 2008 wurden europaweit die verschiedenen nationalen Zahlungssysteme eliminiert und eine Harmonisierung erreicht. In der Schweiz wird der nationale Zahlungsverkehr zwischen 2016 und 2020 erneuert und an die ISO-Norm 20022 angepasst.

Der nationale Schweizerische Zahlungsverkehr basiert heute auf unterschiedlichen Belegen, Verfahren und Formaten. Mit der Erneuerung wird die Standardisierung und Vereinfachung des Zahlungsverkehrs angestrebt. Von den Änderungen betroffen sind alle im Zahlungsprozess involvierten Parteien. Angefangen vom Rechnungssteller über die verarbeitenden Finanzinstitute bis hin zum Zahlungspflichtigen. Dieses Projekt trägt den Namen Harmonisierung ZV-Schweiz.

Gut zu wissen

Die Umstellung des Zahlungsverkehrs betrifft alle Teilnehmer im Schweizer Zahlungsverkehr. Die Auswirkungen im Einzelfall sind jedoch unterschiedlich. So wird ein Grossunternehmen oder international tätiger Konzern mit einer eigenentwickelten Zahlungsverkehrssoftware stärker betroffen sein als ein KMU, das seinen Zahlungsverkehr über eine Standardsoftware abwickelt. Für den Rechnungsempfänger wird sich die Migration am ehesten am neuen Einzahlungsschein mit Datencode zeigen.

Die Umstellung einfach erklärt

Beitrag ECO «Zahlungsverkehr: Die unbemerkte Revolution»

Quellenangabe: SRF, Beitrag ECO 13. Februar 2017

Weitere Informationen

Einführung neuer ISO 20022-Standard

  • Sammelzahlungsaufträge (DTA) erfolgen im neuen  XML-Format nach ISO 20022
  • Elektronische Kontoauszüge (MT940/MT942) werden durch camt-Meldungen ersetzt
  • Sie profitieren von einheitlichen Standards und Datenformaten im Zahlungsverkehr, unabhängig von der Software oder Bank
  • Eine vollständige Automatisierung wird durch zusätzliche Referenzen und Inhalte ermöglicht

Neuer Einzahlungsschein

  • Der orange und rote Einzahlungsschein wird durch einen neuen Beleg ersetzt
  • IBAN wird die bisherigen Kontonummern ersetzen
  • Anstelle der Codierzeile wird ein Datencode (QR) abgedruckt (vgl. Musterabbildung)
Einzahlungsschein Harmonisierung Zahlungsverkehr
 

Kombination LSV+ mit E-Rechnung

  • Neue Lastschriften-Standards (LEON) lösen bestehende Lastschriften ab
  • Zukünftig wird das Lastschriftverfahren mit der E-Rechnung kombiniert
  • Bestehende LSV-Belastungsermächtigungen sind weiterhin gültig

Format der Kontonummer

Die Kontonummern werden einheitlich und nur noch im IBAN-Format dargestellt.

ab 2014

Banken in der EU wickeln ihre Euro-Überweisungen und Lastschriften ausschliesslich gemäss den einheitlichen SEPA-Verfahren ab. 

2016 bis 2018

Parallele Nutzung der heutigen Meldungsformate (z.B. DTA-und  EZAG-) und der neuen Meldungstypen in der Schweiz.

ab 2018


Einführung des neuen Einzahlungsscheines mit Datencode (gemäss aktueller Planung können die herkömmlichen Belege noch bis 2020 verwendet werden).

ab 2020


IBAN-Format muss für inländische Zahlungen zwingend verwendet werden.
Den aktuellen Fahrplan finden Sie auf der offiziellen Website der schweizerischen Arbeitsgruppe Kommunikation Migration ZV CH.


Rechnungsempfänger

Wenn Sie die Rechnungen per Einzahlungsschein bezahlen, müssen Sie momentan nichts unternehmen. Wenn Sie heute Kontonummern von Begünstigten z.B. im E-Banking gespeichert haben, müssen Sie diese im Verlauf der nächsten Jahre anpassen, weil alle Kontonummern auf das einheitliche Format der IBAN umgestellt werden. Diese Umstellung muss voraussichtlich im Jahre 2020 abgeschlossen sein.

Verwenden Sie ein Offlineprogramm (z.B. Abacus, mammut, Crealogix o.a.), sollten Sie mit Ihrem Software-Provider Kontakt aufnehmen und die Umstellung auf die neuen Verfahren und Formate frühzeitig planen. Die aktuelle Liste der Software-Hersteller, die SEPA und ISO-20022 unterstützen, finden Sie unter SIX Payment Services.

Rechnungssteller

Als Rechnungssteller sollten Sie mit Ihrem Software-Provider bzw. Ihrer IT-Abteilung Kontakt aufnehmen und die Umstellung auf die neuen Verfahren und Formate sowie auf den Einheitsbeleg planen. In den IT-Systemen müssen sowohl die Bankverbindungen und Kontonummern, wie auch alle Dokumente auf denen die Kontonummern im alten Format aufgeführt sind, angepasst werden.

Falls Sie heute für den Informationsaustausch zwischen Ihrem System und dem System der Bank elektronische Meldungstypen verwenden (z.B. MT940), müssen Sie auf die neuen Meldungstypen camt (Nachrichten von der Bank) und pain (Aufträge an die Bank) umstellen. Nehmen Sie dazu rechtzeitig Kontakt mit Ihrem Softwarehersteller auf.

Während einer Übergangsfrist – voraussichtlich bis Mitte 2018 – wird eine parallele Nutzung des heutigen DTA und der neuen pain.001 Meldungen möglich sein. Anschliessend werden nur noch die neuen Meldungstypen verarbeitet. Es ist sinnvoll, mit der Umstellung von DTA auf pain gleichzeitig auf die camt-Meldungstypen umzustellen.

Mit dem Wechsel auf den neuen Einheitsbeleg müssen die alten Einzahlungsscheine ersetzt und allenfalls die Kunden informiert werden. Die Druckereien werden mit den notwendigen Informationen versorgt und werden die Umstellung vornehmen.

Falls Sie selber Rechnungen andrucken und eine handelsübliche Software im Einsatz haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit Ihrem Lieferanten auf.

Neben Anpassungen bei der Software können auch solche bei der Hardware notwendig werden. Dies betrifft insbesondere Drucker oder Lesegeräte für die neuen Einzahlungsscheine. Sprechen Sie dies mit Ihrem IT-Partner ab.

Lastschriftverfahren (LSV)

Standardisiertes Verfahren für den Rechnungseinzug. Der Zahlungspflichtige hat einmalig eine Belastungsermächtigung erteilt, damit der Rechnungssteller Rechnungen zulasten des Zahlungspflichtigen an dessen Bank einreichen kann. Dieses Verfahren wird durch LEON abgelöst.

E-Rechnung

Standardisiertes Verfahren für die erleichterte Abwicklung von regelmässigen Zahlungen an den gleichen Empfänger über E-Banking. Dieses Verfahren wird wie LSV durch LEON abgelöst.

LEON (Lastschrift & E-Rechnung Online Neu)

Dieser neue Zahlungsstandard ersetzt sowohl das heutige Lastschriftverfahren, wie auch die heutige E-Rechnung. Auch die Postfinance wird dann die gleichen Standards verwenden wie die Banken. Die beiden Verfahren werden zu einem späteren Zeitpunkt kombiniert. Die Einlieferung von Lastschriftaufträgen erfolgt zukünftig über das E-Rechnungssystem. Die Umstellung wird so geplant, dass für die Zahlungspflichtigen kein Umstellungsaufwand entsteht und für die Zahlungsempfänger der Aufwand so klein wie möglich ist. Der Zahlungspflichtige muss beispielsweise keine neuen Belastungsermächtigungen erteilen.

Einzahlungsschein mit Datencode

Die heutigen roten und orangen Einzahlungsscheine in ihren verschiedenen Ausprägungen werden durch einen Einzahlungsschein mit Datencode von Mitte 2018 bis Mitte 2020 abgelöst. Banken werden ab Mitte 2018 in der Lage sein parallel zu den alten Einzahlungsscheinen auch die neuen abwickeln zu können. In dieser parallelen Betriebsphase müssen Firmenkunden auf den neuen Einzahlungsschein mit Datencode und die neuen Meldungen (camt) für elektronische Zahlungsgutschriften umzustellen. Druckereien, welche heute Einzahlungsscheine für Kunden erstellen, werden direkt informiert und werden umstellen. Firmen sollten jedoch ihren alten Formularbestand entsprechend planen und ihren Kunden zeitnah unterrichten.

SEPA

Single Euro Payments Area= Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum; Die Schaffung des einheitlichen Euro-Zahlungsraums geht auf Initiative der EU-Behörden zur Integration des Zahlungsverkehrs in Euro zurück. SEPA umfasst gegenwärtig 34 Länder, darunter die Schweiz und Liechtenstein. 

ZV

Zahlungsverkehr

IBAN

IBAN (International Bank Account Number)  ist die international standardisierte Darstellung einer Kontonummer. In der Schweiz beginnt die Kontonummer mit CH und hat 21-Stellen. Sie wurde von der ISO (International Organization for Standardization) und der ECBS (European Committee for Banking Standards) zur Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs geschaffen. Ab 2020 ist ihre Verwendung in der Schweiz obligatorisch. Die Darstellung von herkömmlichen Kontonummern im standardisierten IBAN-Format erleichtert die Erfassung, Weiterleitung und Verarbeitung von Zahlungsdaten.

DTA

Das Datenträgeraustausch-Verfahren (DTA) dient der sicheren Übermittlung von Zahlungsdaten zwischen Kunde und Banken. Diese Übermittlung erfolgt in Form eines File-Transfers direkt in das E-Banking oder Online-Banking. Alle Zahlungen werden in einer Buchhaltungsapplikation mit integrierter DTA-Schnittstelle (oder in einem geeigneten Zahlungserfassungssystem) erfasst und übermittelt. DTA-konforme Softwaren werden in der Schweiz von mehreren Herstellern angeboten.

EZAG

Elektronischer Zahlungsauftrag im proprietären oder ISO-20022-Format der PostFinance.

pain

Payment Initiation; neuer XML-Meldungstyp nach ISO 20022 im Austausch Kunde – Bank (Aufträge von Kunde an die Bank).

camt

Cash Management; neuer XML-Meldungstyp nach ISO 20022 im Austausch Kunde – Bank. Unter dieser Kategorie werden die Meldungstypen und Nachrichten für Auszüge und Anzeigen zusammengefasst (Nachrichten von Bank an den Kunden).

QR-Code

Der Quick Response Code (QR-Code) ist ein zweidimensionaler Barcode. Er besteht aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und weissen Punkten, welche die kodierten Daten binär darstellen. Eine spezielle Markierung in drei der vier Ecken des Quadrats gibt die Orientierung vor.

ISO-20022-Standard

Dieser Standard der International Organization for Standardization (ISO) hat sich zum Ziel gesetzt, eine weltweite Konvergenz von bereits existierenden und neuen Nachrichtenstandards aus den verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie herbeizuführen. ISO 20022 umfasst neben Nachrichten des Zahlungsverkehrs und Kontoreportings auch weitere Bereiche wie den Wertpapierhandel, den Aussenhandel oder das Treasury.
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