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Fr, 17. Mai 2018

«Wichtig ist der langfristige Gedanke»

Interview: Andreas Faessler, Zuger Zeitung

Das Zinsniveau ist leicht angestiegen. Dennoch bleibt der Immobilienmarkt im Kanton Zug stabil. Der Fachmann rät, Hypotheken zu staffeln.

Alex Müller, wie ist die allgemeine aktuelle Zinslage im Vergleich zum Vorjahr?
Für 2017 hatten wir keine stark steigenden Zinsen prognostiziert und darauf hingewiesen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) in ihren Negativzinsen gefangen ist, solange die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin auf Negativzinsen setzt. Im aktuellen Jahr beobachten wir leicht höhere Kapitalmarktzinsen. Dieser Trend dürfte, Bestand haben.

Wichtig ist der langfristige Gedanke

Wie sieht es denn in diesem Jahr mit einer möglichen Abkehr von den Negativzinsen aus?
Insgesamt sehen wir global weiterhin sehr solide Vorlaufindikatoren, die auf ein starkes Wirtschaftswachstum auch im Jahr 2018 hoffen lassen. In den USA steht die Inflationsrate wieder über dem Zielwert von 2 Prozent, weshalb die Kapitalmarktzinsen gestiegen sind. Auch in Europa entwickelt sich die Konjunktur erfreulich; die EZB bleibt aber vorerst zurückhaltend und lässt die Zinsen auf dem Rekordtief stehen. Für die Schweiz zeichnen die in der jüngsten Vergangenheit beobachtete beschleunigte Abwertung des Schweizer Frankens sowie die steigenden Inflationsraten ein ähnliches Bild. Eine Abkehr von Negativzinsen wäre also grundsätzlich nicht unrealistisch. Den genauen Zeitpunkt zu prognostizieren, erachten wir jedoch als schwierig.

2018 sind die Zinsen hierzulande gestiegen. Auch ziehen die Sätze der Festhypotheken an. Ist diese Entwicklung erst ein Vorbote für teurere Finanzierungen?
Dem Anstieg der US-Zinsen konnten sich auch die europäischen Märkte und damit die Schweiz nicht entziehen. Das gesamte Zinsniveau wurde dadurch etwas angehoben. Dies zeigt sich natürlich auch in den Festhypotheken, die sich nach diesen Sätzen ausrichten. Unter Berücksichtigung der konjunkturellen Lage dürften die Zinsen 2018 nicht wieder sinken.

Wie hat sich der Immobilienmarkt im vergangenen Jahr entwickelt? Hat er eine neue Richtung eingeschlagen?
Renditeobjekte haben nochmals höhere Bewertungen erreicht, bieten aber als Anlage immer noch stabile Erträge. Der Nachfragedruck hält vorerst an, da Investoren immer noch aufgrund fehlender Anlagealternativen und tiefer Zinsen auf den Markt drängen. Schweizweit sind Überkapazitäten zu beobachten, da die Zuwanderung tendenziell sinkt und das Angebot immer noch ausgebaut wird.

Wie schätzen Sie die aktuelle Wohnsituation im Kanton Zug ein?
Im Kanton Zug ist Wohnraum dank der hohen Standortattraktivität nach wie vor sehr gefragt. Die Zuwanderung ist im schweizweiten Vergleich auf dem höchsten Stand, dem gegenüber bewegt sich die lokale Bautätigkeit auf einem Fünfjahrestief. Die Preise für Wohneigentum sind auch 2017 weiter gestiegen bei einem gleichzeitig unverändert sehr tiefen Leerwohnungsbestand von 0,4 Prozent. Die aufgeführten Eckdaten zeigen den Immobilienmarkt in Zug in einer stabilen und gesunden Verfassung.

«Wir empfehlen unseren Kunden, ihre Hypotheken grundsätzlich zu staffeln und auch längere Laufzeiten beizumischen.»

Alex Müller, Anlagechef Zuger Kantonalbank

Ihr Rat an Immobilienbesitzer und solche, die eine Immobilie erwerben wollen?
Eine Immobilie zu erwerben, hängt sehr von vielen persönlichen Faktoren ab. Wichtig ist immer auch der langfristige Gedanke beim Kauf einer Immobilie, gerade im aktuell verlockenden Tiefzinsumfeld. Wer die niedrigen Zinsen mit langfristigen Hypotheken sichert, sollte diese Phase gleichzeitig für die Amortisation nutzen. So kann die Tragbarkeit auch im Alter gesichert werden.

Bezüglich Strategie: Ist es nach wie vor ratsam, die Hypotheken zu staffeln und längere Laufzeiten beizumischen?
Dieser Entscheid ist grundsätzlich immer sehr individuell. Wir empfehlen unseren Kunden aber aufgrund der derzeitigen Situation, ihre Hypotheken grundsätzlich zu staffeln und auch längere Laufzeiten beizumischen.

Alex-Müller

Alex Müller

Alex Müller ist seit 2012 Anlagechef (Chief Investment Officer) der Zuger Kantonalbank. Die Bank verwaltet Depotvermögen von rund elf Milliarden Franken.

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