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12. Mai 2021

Gute Beratung zahlt sich aus

Marco Morosoli

Die Pensionierung ist für viele ein freudiges Ereignis. Damit es hinterher nicht zu einem Kater kommt, ist ein jeder gut beraten, früh die Finanzen zu regeln.

Geldturm

Vorsorge ist wichtig, damit auch nach der Pensionierung das Dach über dem Kopf sicher bleibt.
Bild: Keystone/Gaetan Bally

Mit dem Erreichen des Pensionie­rungsalters werden die Lebenskar­ten neu gemischt. Damit Mann und Frau weiterhin gute Karten in der Hand haben, ist eine fundierte Planung für den neuen Lebens­abschnitt unabdingbar. Daniel Kohler, er ist bei der Zuger Kanto­nalbank Leiter Finanzplanung, Steuern und Berufliche Vorsorge, rät deshalb, dass Arbeitnehmerin­nen und Arbeitnehmer bereits im Alter von 55 Jahren eine Auslege­ordnung im Hinblick auf die abseh­bare Pensionierung machen sollen (siehe Nachgefragt).

Schon die Wahl der Hypothek oder der Hypotheken beim Vorhan­densein einer Immobilie will gut überprüft sein. Daniel Kohler ist ein Spezialist auf diesem Gebiet. Er sagt: «Wer über einen langen Zeit­raum genau wissen will, welche Zinsen für die Hypothek zu zahlen sind, sollte eine Festhypothek wäh­len.» Kohler erwähnt aber auch, dass Besitzer von Hypotheken von sinkenden Zinsen profitieren könn­ten, in dem sie eine Saron-­Hypo­thek abschliessen. Die geringeren Zinsen erkaufe sich der Schuldner aber damit, dass er damit klar­kommen müsse, wenn die Zinsen schnell steigen. In Bezug auf das optimale Finanzierungsinstrument hält der Experte der Zuger Kanto­nalbank etwas für unabdingbar: Eine gute Beratung ist bei diesem Thema sehr wichtig.

Tragbarkeit: Bank rechnet mit höherem Zins

So oder so ist es bei Schweizer Fi­nanzinstituten Usus, dass sie die Tragbarkeit von Hypotheken, er­klärt Daniel Kohler, nicht mit dem aktuellen und tieferen Zins rechnen würden. Vielmehr würde ein Zins­satz von rund fünf Prozent in jede Berechnung einfliessen. Für den Leiter Finanzplanung, Steuern und Berufliche Vorsorge der Zuger Kan­tonalbank habe diese konservative Rechenmethode einen grossen Vor­teil: Eine Zinserhöhung hat in der Regel keine grossen Auswirkungen. Je nach Hypothekarhöhe kann je­doch eine massive Erhöhung der Hypothekarzinsbelastung das Fa­milienbudget stark belasten.

Eine Unsicherheit ergibt sich, wenn Eheleute eine Hypothek er­neuern müssen, wenn beide schon eine Rente beziehen. Daniel Koh­ler, der Experte der Zuger Kanto­nalbank, beruhigt Paare mit dieser Fragestellung: Die Bank wird mit dem Ehepaar die Weiterführung der Hypothek diskutieren. Es sei auch nach einer Pensionierung von Hypothekarschuldnern möglich, eine Hypothek zu erneuern. Doch Daniel Kohler ruft in Erinnerung: Das Risiko der Bank erhöhe sich aus zwei Gründen. Erstens sinkt nach einer Pensionierung das Haushalts­einkommen. Damit verändert sich das Verhältnis zwischen Einnah­men und Ausgaben für Hypothe­karzinsen und allenfalls für die Amortisation zu Ungunsten der Bank. Zu beachten sei, so Kohler weiter, dass das Risiko eines Todes­falles steige. Das führe dazu, dass die Renten aus der Vorsorge sinken. Auch hier erwähnt Kohler, dass es hilfreich sei, solche Szenarien in die Lebensplanung einzubeziehen. Das «Wie» umschreibt der Experte der Zuger Kantonalbank so: «Es lohnt sich, Vermögen aufzubauen und die Hypothek auf ein tieferes Niveau zu amortisieren.»

Bezug aus Pensionskasse nicht empfohlen

Mit Blick auf die Senkung von Hypothekarschulden von Immobi­lien hält Daniel Kohler auch nicht sehr viel von der Idee, Pensionskas­sengelder herauszulösen und diese Gelder zur Reduzierung der Schul­denlast zu verwenden. «Normaler­weise empfehlen wir das nicht», sagt Kohler. Es sei zwar ein gutes Gefühl, mit einer tieferen Schul­denbelastung zu leben. Jedoch füh­re diese Umschichtung dazu, dass die Pensionskassenrente sinke. Das wiegt umso schwerer, je länger die Person lebt. Deshalb ruft Daniel Kohler in Erinnerung: «Vor einem solchen Schritt müssen besonders die langfristigen Auswirkungen gut abgewogen werden.» Wohin fehlende Vorsorgepla­nung führen kann, erklärt Daniel Kohler anhand des Beispiels eines Stockwerkeigentürmers, der finan­ziell plötzlich unten durch muss. Könne dieser sein Eigentum nicht mehr halten, dann führe dies allen­falls zu einem Notverkauf. Kohler sagt dazu: «Wer unter Zeitdruck eine Liegenschaft verkaufen muss, wird einen weniger guten Preis er­zielen als jemand, der sich Zeit nehmen kann, das beste Angebot herauszuholen.» Ein Mittel, um solche möglichen Abläufe gar nicht erst in seine Überlegungen aufneh­men zu müssen, hat Daniel Kohler schnell zur Hand: «Eine gute Vor­sorge lässt solche Bedenken gar nicht aufkommen.» In die Kategorie «kluge Ent­scheide» gehört auch, dass sich Eigentümer schon früh überlegen, was mit der Immobilie wird, wenn bei Paaren die eine Hälfte stirbt. Gemäss Kohler könne dies in der Form eines Ehe­/Erbvertrages ge­schehen oder aber durch ein Testa­ment. Ein Ehe­/Erbvertrag sei ein zweiseitiges Vertragswerk, das Tes­tament hingegen ein einseitiges Rechtsgeschäft. Ein weiteres im Zusammenhang mit der Pensionie­rung hilfreiches juristisches Kons­trukt ist der Vorsorgeauftrag. Mit diesem kann jeder urteilsfähige und volljährige Mensch eine Per­son beauftragen, für ihn im Falle einer Urteilsunfähigkeit zu han­deln. Daniel Kohler warnt allerdings davor, solche Vorsorgeaufträge ir­gendwo abzuschreiben. Es sei hilf­reich, sich für diese Vorsorgemass­nahme Zeit zu lassen und einen Spezialisten einzuschalten.


Nachgefragt

«Mit 50 sollten wichtige Weichen gestellt werden»

In welchem Alter empfehlen Sie, sich um die Vorsorge im Alter zu kümmern?
Daniel Kohler: Es kommt darauf an, welchen Bereich der persönlichen Vorsorge es betrifft. Junge Menschen sollten möglichst früh erste Schritte in der privaten Vorsorge machen, ideal ist ab ungefähr 20 Jahren. Zu­erst sollte man sich mit den Vor­ und Nachteilen einer Säule 3a vertraut machen und anschliessend begin­nen, in der Säule 3a zu sparen. Auch wenn es am Anfang kleine Beträge sind. Menschen, die sich konkret auf  die Pensionierung vorbereiten, sollten mit rund 50 Jahren einen langfristigen Ausblick wagen und wichtige Weichen stellen. Eine de­taillierte Planung sollte ab ungefähr 55 an die Hand genommen werden, damit man nach der Pensionierung ruhig zurückblicken kann im Wis­sen, optimal vorgesorgt zu haben.

Nehmen wir einmal an, das Ehepaar hat noch eine Hypothek. Die zweite ist bereits beglichen. Ergibt es Sinn, wenn die Eheleute weiterhin ihre Schulden abtragen?
Das hängt von der persönlichen  Einstellung des Ehepaares zu Schulden ab. Es gibt Menschen, die nicht gerne Schulden haben und deshalb eine Hypothek so weit wie möglich amortisieren wollen. An­dere lassen einen Teil der Hypothek stehen und zahlen nicht weiter Schulden zurück, weil sie das Kapi­tal investieren und nicht im eigenen Haus halten wollen. Finanztech­nisch macht es aber Sinn, Kapital, welches Erträge erwirtschaftet, die höher sind als die Hypothek nach Steuern kostet, investiert zu lassen und nicht für eine Amortisation zu verwenden. Wichtig dabei ist, eine genügend grosse Liquiditätsreserve zu behalten.

Bei Erreichen des Pensionsalters sinkt in der Regel das Einkommen von Hausbesitzern respektive Stockwerkeigentümern. Wie kann der Eigentümer verhindern, in eine finanzielle Notlage zu kommen?
Wichtig sind der Aufbau von Ver­mögen und nach Möglichkeit zu­sätzliches Einkommen. Denn es ist zu erwarten, dass das Einkommen nach einer Pensionierung sinkt. Deshalb sollte während der Er­werbstätigkeit für die Zeit nach der Pensionierung vorgesorgt werden, indem in die Säule 3a und allenfalls in die Pensionskasse eingezahlt und im freien Vermögen gespart wird. Investitionen in Wertschriften schwanken, können jedoch zusätz­liche Erträge in Form von Zinsen und Dividenden abwerfen. Das an­gesparte Kapital kann für eine Teil­amortisation der Hypotheken im Alter verwendet werden, wenn die Tragbarkeit nicht gewährleistet ist.

Bei Ehepaaren können die Beträge der Altersvorsorge zusammengezählt werden. Welchen Einfluss hat dabei der Güterstand des Paares?
Der Güterstand ist relevant bei einem Todesfall bzw. einer Schei­dung. Solange beide Ehepartner leben, hat der Güterstand keine Auswirkung auf das Vermögen in der Altersvorsorge beziehungswei­se das Einkommen daraus.

Daniel Kohler

Daniel Kohler

Leiter Finanzplanung, Steuern und Berufliche Vorsorge