Frauen, Vermögen und Anlageentscheidungen
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Frauen investieren nach wie vor seltener als Männer – häufig nicht aus Mangel an Kapital, sondern aus Zurückhaltung. Eine Studie der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2025 zeigt: 61 Prozent der befragten Männer legen ihr Geld an, bei den Frauen sind es 43 Prozent. Dabei investieren Frauen oft sehr erfolgreich. Wer sein Vermögen jedoch überwiegend auf dem Konto belässt, verzichtet auf Rendite und einen langfristigen Vermögensaufbau. «Genau deshalb ist es entscheidend, dass sich auch Frauen aktiv mit Anlagelösungen auseinandersetzen», sagt Amanda Senn, Kundenberaterin Private Banking bei der Zuger Kantonalbank.
Bild: © Adobe Stock, Jacob Lund
Amanda, merkst du in der Praxis, dass Frauen seltener investieren als Männer?
Ja, das tue ich. In meiner Praxis stelle ich fest, dass Männer häufiger investieren und öfter Interesse an einem Anlagegespräch zeigen, um mit mir über die Märkte und neue Investitionsideen zu diskutieren.
Woran liegt es aus deiner Sicht, dass Frauen trotz vorhandenen Kapitals zurückhaltender investieren?
In der Vergangenheit war es oft so, dass sich Männer häufiger mit Anlagethemen auseinandergesetzt haben als viele Frauen. In meinem Berufsalltag als Kundenberaterin Private Banking erlebe ich jedoch, dass Frauen diese Lücke zunehmend aktiv schliessen. Viele Frauen bringen sehr klare, langfristige Überlegungen mit, die eine gute Basis für erfolgreiche Anlagestrategien bilden. Genau hier setzen wir in der Beratung an und unterstützen sie dabei, diese fundierten Überlegungen in konkrete und passende Anlageentscheidungen zu überführen.

«Lange Zeit galten Anlagethemen als «Männerangelegenheiten». Doch diese Wissenslücke nimmt bei den Frauen zunehmend ab, und immer mehr Frauen nehmen ihre Finanzangelegenheiten selbst in die Hand.»
Amanda Senn, Kundenberaterin Private Banking
Es ist erfreulich, dass sich Frauen vermehrt mit Anlagethemen beschäftigen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Welche konkreten Chancen entgehen Frauen deiner Meinung nach, wenn sie nicht investieren?
Der Verzicht auf Investitionen kann für Frauen langfristig erhebliche Nachteile mit sich bringen – insbesondere im Hinblick auf die finanzielle Absicherung im Alter. Nicht alle, aber viele Frauen haben aufgrund der Familienplanung oder wegen Teilzeitarbeit häufiger Erwerbsunterbrüche als Männer. Gleichzeitig verliert das Geld auf dem Konto durch die Inflation kontinuierlich an Kaufkraft. Ohne Investitionen fehlt ihnen die Möglichkeit, ihr Vermögen gezielt zu vermehren und finanziell vorzusorgen. Zudem ermöglichen eigenständige Finanzentscheidungen Frauen, ihre Lebensgestaltung aktiv und unabhängig zu bestimmen.
Gibt es Unterschiede in der Art, wie Frauen und Männer investieren – etwa bei der Strategie oder beim Zeithorizont?
Meiner Meinung nach lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Ich erlebe viele verschiedene Szenarien, wobei ich mich in der Beratung an den individuellen Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden orientiere. Entscheidend ist, dass die Strategie zur eigenen Situation und zu den persönlichen Zielen passt.
Wie begleitest du Kundinnen dabei, den Schritt von der Vermögenshaltung zur Vermögensinvestition zu machen?
Ich begleite die Kundinnen Schritt für Schritt, beginnend bei ihren Werten und persönlichen Zielen. Darauf aufbauend definieren wir das individuelle Risikoprofil, um eine passende Anlagestrategie zu entwickeln. Wichtig ist für mich, dass meine Kundinnen die Zusammenhänge nachvollziehen können, Chancen und Risiken bewusst abwägen und sich mit ihrer Entscheidung sicher fühlen. Dadurch können sie eine Entscheidung aus voller Überzeugung treffen, und aus der reinen Vermögenshaltung wird eine selbstbestimmte, strategische Vermögensinvestition.

«Mein Ratschlag: Seien Sie mutig! Oft ist der erste Schritt der schwierigste – doch er lohnt sich. Verschaffen Sie sich einen klaren Überblick über Ihr Vermögen und Ihre Ziele. Ich unterstütze Sie gerne dabei, eine Anlagestrategie zu finden, die zu Ihnen passt.»
Amanda Senn, Kundenberaterin Private Banking
Quelle: Hochschule Luzern, Studie «Anlegen und Vorsorgen in der Schweiz – eine ganzheitliche Betrachtung», 2025