Gemeinsam für Zug: Selbstbestimmt im Alter – Pro Senectute Zug im Einsatz
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Seit über hundert Jahren setzt sich Pro Senectute Kanton Zug für die Lebensqualität, Selbstständigkeit und Würde älterer Menschen ein. Mit Beratung, Prävention, Bildungsangeboten und konkreter Unterstützung im Alltag begleitet die Organisation Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Im Gespräch erklärt der Geschäftsleiter, warum soziale Herausforderungen auch im wirtschaftlich starken Kanton Zug zunehmen, welche Rolle Finanzbildung für ein selbstbestimmtes Leben spielt – und weshalb regionale Partnerschaften entscheidend sind, damit Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
«Unsere Arbeit beginnt dort, wo Menschen Orientierung, Halt und Unterstützung brauchen.»
Martin Kolb, Geschäftsleiter, Pro Senectute Kanton Zug
Seniorenhilfe der Pro Senectute Zug
Was ist Pro Senectute Kanton Zug, wofür steht die Organisation – und seit wann ist sie in der Region aktiv?
Pro Senectute Kanton Zug ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich seit über hundert Jahren für die Lebensqualität, Selbstständigkeit und Würde älterer Menschen im Kanton Zug einsetzt.
Wir stehen für professionelle, kostenlose und niederschwellige Beratung, für konkrete Unterstützung im Alltag und für gezielte Hilfe in belastenden Lebenssituationen. Als regional verankerte Organisation kennen wir die Lebensrealitäten älterer Menschen im Kanton Zug gut und reagieren bedarfsorientiert, wenn sich Bedürfnisse verändern: durch Beratung, Prävention, Bildungsangebote, Alltagsassistenz und passende Hilfsmittel.
Warum ist eure Arbeit gerade im Kanton Zug besonders wichtig?
Auch im wirtschaftlich starken Kanton Zug verändern sich die sozialen Strukturen spürbar. Klassische Familienmodelle tragen weniger: Angehörige sind beruflich stark eingebunden, leben weiter weg oder sind international verteilt. Viele ältere Menschen haben heute kein tragfähiges Unterstützungsnetz mehr. Gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich gerade im Alter. Im Kanton Zug beziehen über 1’600 ältere Menschen Ergänzungsleistungen zur AHV – sie erhalten staatliche Unterstützung, stehen aber dennoch oft unter finanziellem und sozialem Druck. Eine besonders herausfordernde Situation erleben Menschen, die knapp über der EL-Grenze liegen: Sie erhalten keine staatliche Unterstützung.
Hinzu kommen steigende psychische Belastungen im Alter sowie mehr demenzielle Erkrankungen – Themen, die Betroffene, Angehörige und das gesamte Umfeld fordern. Unsere Arbeit ist deshalb wichtig, weil wir dort unterstützen, wo familiäre, soziale oder finanzielle Strukturen fehlen: frühzeitig, koordiniert und niederschwellig. Dass es diese Unterstützung braucht, zeigt sich auch in der Praxis: 2025 haben wir 3'480 Beratungsstunden für 903 Kundinnen und Kunden im Sozialbereich geleistet und konnten so oft stabilisieren, bevor Situationen eskalierten.
Wen erreicht ihr konkret und mit welchen Angeboten unterstützt ihr ältere Menschen im Alltag?
Wir erreichen Seniorinnen und Senioren ab dem AHV-Alter sowie deren Angehörige und Bezugspersonen – von aktiven, selbstständigen Menschen bis zu Personen mit konkretem Unterstützungsbedarf. Ein zentraler Pfeiler ist die kostenlose, niederschwellige Beratung: sozial, finanziell, administrativ und, wo nötig, auch in rechtlichen Fragen. Wir begleiten Menschen in Krisen und überbrücken Notlagen auch über eigene Fonds. Allein im letzten Jahr konnten wir über 200 Personen mit direkter finanzieller Unterstützung entlasten und in schwierigen Situationen Zuversicht geben.
Ergänzend bieten wir vielfältige Dienstleistungen an: Bildungs- und Kursangebote, damit Menschen körperlich und geistig aktiv bleiben, Alltagsassistenz zur Unterstützung im Haushalt sowie ein Fachgeschäft für Hilfsmittel, das Sicherheit und Selbstständigkeit im vertrauten Umfeld ermöglicht. Unser Ziel ist immer dasselbe: Selbstständigkeit erhalten, Sicherheit geben und Entlastung schaffen für Betroffene und ihre Angehörigen.
Welche gesellschaftlichen oder demografischen Herausforderungen begegnen euch derzeit besonders häufig?
Wir erleben einen demografischen Wandel, der nicht nur mehr ältere Menschen bedeutet, sondern auch komplexere Lebenssituationen: Einsamkeit, fehlende Angehörigenstrukturen, steigende Lebenshaltungskosten und die zunehmende Digitalisierung überfordern viele. Besonders deutlich spüren wir die Zunahme von Mehrfachbelastungen: finanzielle Sorgen, psychische Belastungen, beginnende Demenz, oft verbunden mit Scham oder der Unsicherheit, sich überhaupt Hilfe zu holen. Diese Hemmschwellen führen dazu, dass Probleme häufig erst spät sichtbar werden. Umso wichtiger sind niederschwellige Angebote, die Vertrauen schaffen und frühzeitig stabilisieren.
Wissen schafft Sicherheit: Martin Kolb über Finanzbildung für Seniorinnen und Senioren
Welche Rolle haben Sie bei Pro Senectute Zug und was hat Sie persönlich zu diesem Engagement geführt?
Als ich vor neun Jahren vor einer neuen beruflichen Herausforderung stand, war mir wichtig, regional tätig zu sein und meiner Arbeit eine klare Sinnhaftigkeit zu geben. Die Arbeit für und mit älteren Menschen hat mich besonders angesprochen.
Als Geschäftsleiter bin ich für die operative Führung der Stiftung Pro Senectute Kanton Zug verantwortlich. Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen Stiftungsrat, kantonalen und kommunalen Stellen sowie Partnerorganisationen. Dabei geht es nicht nur um Führung und Organisation, sondern auch darum, dass wir im sozialen Netzwerk des Kantons koordiniert, verlässlich und wirkungsorientiert für die älteren Menschen handeln.
Was motiviert Sie, sich für ältere Menschen einzusetzen?
Ich bin überzeugt, dass wir den Wohlstand und die Stabilität, die wir heute haben, zu einem grossen Teil unseren Eltern und Grosseltern verdanken. Sie haben die Grundlagen geschaffen, auf denen unsere Gesellschaft heute aufbaut.
Mich motiviert es, diesen Menschen etwas zurückzugeben, ganz konkret im Alltag. Viele ältere Menschen geraten unverschuldet in schwierige Situationen: finanziell, gesundheitlich oder sozial. Ihnen Orientierung und Unterstützung zu geben und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, empfinde ich als sinnstiftend und als grosse Motivation für meine tägliche Arbeit.
Was erleben Sie in Ihrer täglichen Arbeit als besonders erfüllend?
Besonders erfüllend ist es, wenn Menschen durch unsere Unterstützung wieder Stabilität und Zuversicht gewinnen: wenn nach einem Gespräch neue Perspektiven sichtbar werden oder wir durch gezielte Hilfe verhindern können, dass eine Situation kippt.
Sehr berührend sind auch die Rückmeldungen von Menschen oder Angehörigen, die wir begleiten konnten. Wenn sie sagen, dass sie sich ernst genommen fühlen, wieder Orientierung und Zuversicht haben oder spüren, dass sie nicht allein sind. Diese Momente sind nicht nur für mich, sondern für das gesamte Team Bestätigung und Motivation zugleich, und sie zeigen, wo der eigentliche Sinn unserer Arbeit liegt.
Welche Werte prägen Ihre Arbeit – im Umgang mit Menschen und in der Organisation?
Bei uns steht immer der Mensch in seiner individuellen Situation im Vordergrund – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte. Wir begegnen Menschen offen, respektvoll und ohne Vorurteile.
Unsere Arbeit basiert auf Würde, Respekt, Solidarität und Verlässlichkeit. Diese Werte prägen unser Handeln im direkten Kontakt ebenso wie in der Zusammenarbeit innerhalb der Organisation und mit Partnern.
Gemeinsam für Zug: Für finanzielle Kompetenz in jeder Lebensphase
Was verändert Ihre Arbeit konkret im Alltag von Seniorinnen und Senioren im Kanton Zug?
Unsere Leistungen tragen wesentlich dazu bei, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig in ihrem vertrauten Umfeld leben können. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, damit Heimeintritte in vielen Fällen verzögert oder vermieden werden können, was nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen stärkt, sondern auch Angehörige und Pflegeheime entlastet.
Ganz konkret bedeutet das: Beratung, Begleitung, Entlastung im Alltag und Unterstützung in belastenden Situationen. Durch diese frühzeitige und gezielte Unterstützung gelingt es oft, Stabilität zu schaffen und schwierige Situationen abzufedern, bevor sie eskalieren. Am Ende geht es darum, Menschen Sicherheit zu geben, ihnen im Alltag Halt zu bieten und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht allein zu sein.
Welche Bedeutung haben Beratung, Prävention und Bildung – beispielsweise im Bereich Finanzen – für ein selbstbestimmtes Leben im Alter?
Beratung, Prävention und Bildung sind zentrale Grundlagen für Selbstbestimmung im Alter. Gerade die fortschreitende Digitalisierung stellt viele ältere Menschen vor grosse Herausforderungen und birgt zunehmend auch Risiken.
Wissen und Orientierung, insbesondere im finanziellen Bereich, schaffen Sicherheit. Frühzeitige Beratung und Bildungsangebote helfen, Risiken zu erkennen, den Umgang mit digitalen und finanziellen Themen zu stärken und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Damit leisten Prävention und Bildung einen wichtigen Beitrag zu Sicherheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität.
Was braucht es, damit Pro Senectute Zug auch in Zukunft wirksam unterstützen kann?
Damit Pro Senectute Zug auch künftig wirksam unterstützen kann, braucht es verlässliche Unterstützung durch Politik, Kanton und Gemeinden sowie stabile Rahmenbedingungen, die die direkte Arbeit mit Menschen ermöglichen. Eine zentrale Herausforderung ist die zunehmende Bürokratie, die wertvolle Ressourcen bindet. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch komplexere Lebenssituationen, demografische Entwicklungen und die Digitalisierung. Diese Entwicklung geht auch mit steigenden Strukturkosten einher, etwa im Bereich IT, die für soziale Organisationen kaum eigenständig zu finanzieren sind.
Um die Qualität unserer Arbeit langfristig zu sichern, sind wir deshalb auf verlässliche finanzielle Unterstützung durch Bund, Kanton und Gemeinden angewiesen. Eine wichtige Rolle spielen auch Spenden, für die wir sehr dankbar sind. Sie ermöglichen uns, dort zu helfen, wo öffentliche Mittel an ihre Grenzen kommen.
Warum ist regionale Unterstützung für Ihre Arbeit besonders wichtig?
Unsere Arbeit lebt von Nähe, Vertrauen und Vernetzung. Als kantonal verankerte Organisation unterstützen wir Menschen im Kanton Zug, und genau deshalb ist regionale Unterstützung so wichtig. Sie ermöglicht uns, bedarfsgerecht zu handeln und schnell Hilfe zu leisten, genau dann, wenn sie dringend gebraucht wird.
Ohne diese regionale Verankerung wäre es kaum möglich, individuell passende Lösungen zu finden und koordinierende Aufgaben im sozialen Versorgungssystem wahrzunehmen. Kurz gesagt: Unterstützung aus dem Kanton ermöglicht Hilfe für Menschen im Kanton, wirksam, nah und unbürokratisch.
Was schätzt ihr an der Zusammenarbeit mit der Zuger Kantonalbank und wie passt sie zu euren Werten?
Die Zuger Kantonalbank ist seit vielen Jahren unsere Hauptsponsorin. Als Kantonalbank übernimmt sie Verantwortung für den Kanton Zug und engagiert sich breit, im Sport, in der Bildung und im sozialen Bereich. Diese regionale Verankerung und das langfristige Denken schätzen wir sehr.
Das gemeinsame Engagement im Bereich Finanzbildung passt besonders gut zu unseren Werten: Es wirkt präventiv und befähigt Menschen, ihre finanzielle Situation besser zu verstehen und selbstbestimmt zu gestalten. Genau diese Stärkung der Selbstständigkeit ist ein Kern unserer Arbeit.
Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft von Pro Senectute Kanton Zug?
Ich wünsche mir, dass Pro Senectute Kanton Zug künftig noch stärker als die zentrale Anlaufstelle und als Kompetenzzentrum rund ums Thema Alter wahrgenommen wird für ältere Menschen, Angehörige, Bezugspersonen und Organisationen.
Gleichzeitig hoffe ich, dass unsere Arbeit weiterhin auf politische und gesellschaftliche Unterstützung zählen darf, damit wir den kommenden Herausforderungen gemeinsam begegnen können. Vor allem aber wünsche ich mir, dass ältere Menschen ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten können mit Sicherheit, Würde und dem Gefühl, ernst genommen zu werden.
«Die Partnerschaft mit der Zuger Kantonalbank wirkt präventiv – und stärkt Menschen darin, ihre finanzielle Situation selbstbestimmt zu gestalten.»
Martin Kolb, Geschäftsleitung, Pro Senectute Kanton Zug