Unternehmensnachfolge neu gedacht mit CAMEUS und der ZugerKB

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Wenn ein lokales KMU den Eigentümerwechsel erfolgreich meistert, steckt dahinter meist mehr als nur ein guter Zeitpunkt. Bei der Nachfolgeregelung des Traditionsunternehmens Heller Druck und von silent studio spielte die Firma CAMEUS, vertreten durch Tobias Haueter und Lukas Kräuliger, eine zentrale Rolle: Als spezialisierte Partnerin für Unternehmensnachfolgen hat CAMEUS zusammen mit dem Management die beiden Unternehmen übernommen. Gemeinsam mit der Zuger Kantonalbank entwickelte CAMEUS eine nachhaltige Finanzierungslösung, die die Übernahme nicht nur möglich machen, sondern zugleich den langfristigen Erfolg des Betriebs sicherstellen soll. Im Interview geben die Co-Managing Partner von CAMEUS, Tobias Haueter und Lukas Kräuliger, sowie der ZugerKB Firmenkundenberater Markus Walker Einblick, wie der Nachfolgeprozess organisiert wurde.

Stehend v. l. n. r.: Reto Egloff (Heller Druck), Artim Reci (Heller Druck), Markus Walker (Zuger Kantonalbank), Simon Leibundgut (silent studio), Nino Izzi (silent studio)
Sitzend v. l. n. r.: Tobias Haueter (CAMEUS), Lukas Kräuliger (CAMEUS)

Das goldene Zeitalter der Schweizer Druckereien ist mit der fortschreitenden Digitalisierung schon länger vorbei. In jüngster Zeit lassen viele grössere Unternehmen mit Verweis auf ihre Nachhaltigkeitsbemühungen weniger drucken. Vor diesem Hintergrund eine Druckerei zu kaufen, braucht Mut. Was war Ihr persönlicher Auslöser, sich an der Druckerei Heller zu beteiligen?

Tobias Haueter: Heller Druck ist mit einer Geschichte von mehr als 125 Jahren die führende Druckerei in der Region. Über die Zeit hat sich das Unternehmen stetig weiterentwickelt und hat zuletzt unter der Führung des ehemaligen Eigentümers Nino Izzi – heute Co-Geschäftsführer – sowie dank eines herausragenden Teams floriert. Heute ist Heller Druck als Gruppe mit der silent studio AG nicht bloss eine Druckerei, sondern positioniert sich erfolgreich als führende Anbieterin für Marketingdienstleistungen. Neben hochwertigen und innovativen Printlösungen werden umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Grafikdesign, Prepress/Korrektorat, Direct Marketing sowie digitale Erzeugnisse in den Bereichen Branding, Screendesign, UI/UX, Web Development und Fotografie gesamtheitlich aus einer Hand angeboten.
In der heutigen Informationsflut digitaler Medien wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, die Aufmerksamkeit ihrer Kunden zu gewinnen. Eine persönliche, physische Ansprache in Ergänzung zu einem digitalen Auftritt hebt sich vom Rest ab und gewinnt dadurch wieder deutlich an Attraktivität. Wir sind überzeugt, dass das Unternehmen damit optimal für die Zukunft positioniert ist und sich daraus sehr spannende Möglichkeiten für den kontinuierlichen Ausbau ergeben.

Welche Weichen wurden nach der Übernahme neu gestellt, oder wurde bewusst entschieden, alles beim Alten zu lassen?

Lukas Kräuliger: Im ersten Jahr nach der Nachfolgeregelung haben wir im Hintergrund sehr viel bewegt und das Unternehmen auf ein neues, solides Fundament gestellt.
Ein zentraler Schritt war die Neuaufstellung der Geschäftsleitung mit klaren Rollenverteilungen und die Weiterentwicklung vom Manager zum Mitunternehmer mit Beteiligung am Eigenkapital. Die operative Führung der Heller Druck AG bleibt in den Händen unserer langjährigen Geschäftsleiter Reto Egloff, Artim Reci und Nino Izzi. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft prägen sie weiterhin die Zukunft des Unternehmens.
Die Leitung der silent studio AG liegt bei den Co-Geschäftsführern Simon Leibundgut und Nino Izzi. Gemeinsam entwickeln sie das kreative Potenzial der Agentur weiter.
Nebst einer Neuaufstellung der Geschäftsleitung haben wir parallel dazu gemeinsam eine Vision, eine Mission, eine Strategie und Werte erarbeitet und daraus fünf konkrete strategische Initiativen abgeleitet. Auch die insgesamt 17 Aktionäre werden aktiv eingebunden: Neben dem persönlichen Kennenlernen unterstützen sie die beiden Unternehmen heute mit ihrem Netzwerk und mit wertvollen Impulsen in der Projektumsetzung.
Unser Ziel ist es, das Fundament des Unternehmens nachhaltig zu stärken, Interessen und Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern zu verteilen und so die Basis für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft zu schaffen. CAMEUS verantwortet dabei sämtliche Prozesse: von der Transaktionsabwicklung bis hin zur Etablierung dieses neuen, stabilen Fundaments.

Was gab bei der Übernahme den Ausschlag, auf die ZugerKB als Finanzierungspartnerin zu setzen?

Lukas Kräuliger: Mit der Zuger Kantonalbank arbeiten wir bewusst mit einer lokal verankerten Partnerin zusammen, die hervorragend zu unserem regionalen Betrieb passt.
Kurze Entscheidungswege, persönliche Ansprechpartner und ein pragmatischer, lösungsorientierter Ansatz schaffen die Basis für eine effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Was empfehlen Sie Unternehmerinnen oder Unternehmern, die in den nächsten fünf Jahren eine Unternehmensnachfolge umsetzen möchten?

Tobias Haueter: Die Übergabe des eigenen Lebenswerks – zusammen mit den Mitarbeitenden – in neue Hände ist ein zutiefst emotionaler Prozess, der Zeit und gegenseitiges Vertrauen braucht.
Eine Unternehmensnachfolge verstehen wir als gemeinsames Projekt und nicht als ein Gegeneinander. Sowohl während als auch nach der Transaktion müssen Lösungen partnerschaftlich erarbeitet werden – dafür sind die persönliche Chemie und das gegenseitige Vertrauen zwischen Verkäufer und Käufer entscheidend.
Neben einem fairen Kaufpreis ist uns deshalb besonders wichtig, dass man sich in der kleinen Schweiz auch Jahre nach der Übergabe mit Überzeugung in die Augen schauen kann – im Wissen, gemeinsam die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

«Die Übergabe des eigenen Lebenswerks – zusammen mit den Mitarbeitenden – in neue Hände ist ein zutiefst emotionaler Prozess, der Zeit und gegenseitiges Vertrauen braucht.»

Tobias Haueter, Co-Founder und Co-Managing Partner bei der Beteiligungsgesellschaft CAMEUS.

Markus, welche Rahmenbedingungen prägen derzeit KMU-Nachfolgen in der Wirtschaftsregion Zug?

Markus Walker: Die Wirtschaftsregion Zug ist geprägt von einer hohen Dichte an etablierten Familienunternehmen, einem wettbewerbsfähigen Umfeld und vielfältigen Branchenclustern, die Innovation und Wachstum fördern. Wir beobachten, dass die Nachfolgeregelung von kleinen und mittleren Unternehmen in der Region Zug wie in der gesamten Schweiz häufig eine grosse Herausforderung darstellt. Oft fehlen geeignete Kandidaten der nächsten Generation, die die Nachfolge antreten könnten. Viele Inhaberinnen und Inhaber gehören der Babyboomer-Generation an und stehen kurz vor der Pensionierung. In vielen Fällen gibt es keine Nachkommen oder die Kinder verfolgen einen anderen Karriereweg. Eine fehlende Nachfolgelösung kann erhebliche Auswirkungen auf Mitarbeitende, Zulieferbetriebe und die regionale Wertschöpfung haben. Auf der anderen Seite beobachten wir ein Aufkommen von spezialisierten Unternehmen wie CAMEUS, die bei Nachfolgeregelungen diese Lücke schliessen können.

Wie wurde die Finanzierung im vorliegenden Fall strukturiert und welches waren die übergeordneten Ziele?

Markus Walker: Dank unserer langjährigen Erfahrung als Unternehmerbank konnten wir bereits zahlreiche Nachfolgefälle erfolgreich begleiten. Jede Nachfolge ist jedoch einzigartig. Bei der Strukturierung einer Finanzierungslösung ziehen wir alle Bedürfnisse und Interessen der verschiedenen Stakeholder sowie die unterschiedlichen Szenarien in Betracht. In enger Abstimmung mit dem Kunden wird die bestmögliche Struktur, bestehend aus eigenen Mitteln und einer Bankfinanzierung, erarbeitet. Aufgrund des sehr guten Geschäftsverlaufs von Heller Druck konnten wir eine für alle Beteiligten passende Finanzierung mit jährlicher Amortisation des Kreditbetrags erarbeiten. Die Amortisationen wurden so strukturiert, dass das Unternehmen weiterhin genügend Spielraum für Investitionen in das Anlagevermögen behält und nachhaltig weiterentwickelt werden kann.

Welchen Tipp kannst du als Finanzierungsexperte Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben, die ihr Lebenswerk in neue Hände übergeben möchten?

Markus Walker: Eine Nachfolgeregelung ist nicht nur ein finanzielles, sondern immer auch ein emotionales Thema. Es geht um das Lebenswerk der Eigentümerinnen und Eigentümer – und gleichzeitig um die Zukunft ihres Unternehmens und ihrer Mitarbeitenden. Jede Firma ist einzigartig und hat ihre eigenen Strukturen. Aus diesen Gründen ist eine vorzeitige Planung entscheidend. Eine professionelle Nachfolge erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Sie sollte daher als strategisches Projekt mit klar definierten Phasen und Meilensteinen angegangen werden. Mit unserer langjährigen Praxiserfahrung verstehen wir uns als Sparringpartner und Coach, der die Kunden strukturiert begleitet und wo nötig situativ externe Spezialisten wie Juristen oder Treuhänder einbindet.

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Jonas Reif

Jonas Reif

Jonas Reif, Leiter Marktkommunikation und Sponsoring, findet es auch nach Jahren in der Kommunikationsbranche faszinierend, wie die richtige Botschaft in der passenden Tonalität die Reputation einer Organisation stärken kann. Wenn er nicht gerade am Schmieden einer Kommunikationskampagne für die ZugerKB ist, geniesst er die Zentralschweizer Landschaft rund um den Vierwaldstättersee, als Stand-Up-Paddler oder geruhsam meditierend am Ufer.


Kategorien: Geld

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