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Corporate Architecture bei der ZugerKB

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Die Geschäftsstellen der Zuger Kantonalbank werden etappenweise modernisiert. Eine zentrale Funktion kommt dabei Christian Gehri und seiner Firma Gehri AG zu, die das neue Corporate-Architecture-Konzept entwickelt hat. Im folgenden Interview gibt er Einblick in seine Arbeit und verrät Industrietrends.

Beratungsteam Menzingen und Neuheim, v.l.n.r.: Thomas Engeler, Privatkundenberater; André Merz, Geschäftsstellenleiter Menzingen; Doris Herger, Privatkundenberaterin; Michael Hutmacher, Geschäftsstellenleiter Neuheim

 

Am 22. November 2021 öffnet die Geschäftsstelle Menzingen nach mehrmonatigen Umbauarbeiten ihre Türen. Welches Designelement gefällt Ihnen persönlich am besten?

Die «Zuger Leuchte», die wir im Wettbewerb bereits mit einem einfachen Modell als Idee visualisiert haben und die auf neuster LED-Technik basiert, ist zu einem veritablen identitätsstiftenden Objekt herangewachsen. In der formalen Gestaltung stellt sie eine Analogie zur Kirsche dar und schafft eine Verbindung zum Kantonalbank-K und zum Rautenmuster der Zuger Kirschtorte. Dank der direkten und indirekten Beleuchtung sowie der Linierung ist die Lichtwirkung zugleich harmonisch und dezent.

Mit Ihrer Firma waren Sie auch für das Design und die Konzeption der neuen Geschäftsstellen in Rotkreuz, Cham, Zug-Herti und Unterägeri verantwortlich. Welche Stilelemente verbinden diese Geschäftsstellen, und wie repräsentieren sie die Markenwerte der Zuger Kantonalbank?

Am Anfang standen die Bedürfnisanalyse und die Visualisierung der Strategie der Zuger Kantonalbank. Anschliessend haben wir ein Corporate-Innenarchitektur-Chart entwickelt, das den Spielraum und sämtliche Komponenten wie Materialien, Möblierungen und Beleuchtungen definiert. Nach der Realisierung des Pilotprojekts in Rotkreuz haben wir dieses stetig weiterentwickelt. Nebst der optischen Wahrnehmung der Materialien sind die Raumorganisation und die Implementierung des Betriebskonzepts die wichtigsten Aspekte. 

Corporate Architecture ist bei Grosskonzernen wie Apple oder BMW schon lange an der Tagesordnung. Warum sollten sich auch mittelständische Firmen mit dieser Thematik beschäftigen? 

Die Corporate Architecture ist ein Bestandteil der Corporate Identity, also der Markenidentität eines Unternehmens. Unter der DNA eines Unternehmens verstehe ich neben der gelebten Firmenkultur auch die Wahrnehmung von innen und aussen auf allen Kommunikationskanälen und Berührungspunkten eines Unternehmens. Unser Team formt das Markenerlebnis im Raum und erfüllt mit seiner Arbeit die unterschiedlichen Ansprüche hinsichtlich Organisation, Design, Nachhaltigkeit, Unterhalt und Kosten. Viele Produkte und Leistungen sind heute in Bezug auf den Inhalt austauschbar; deshalb bietet die Form, also das Design, in all seinen Facetten ein Differenzierungspotenzial – bei einer Bank beispielsweise die Abläufe, die das Beratungserlebnis auszeichnen. Dasselbe gilt für die Arbeitswelten: Wenn wir Orte schaffen, auf die sich die Mitarbeitenden freuen und in denen sie sich wohlfühlen, machen sie einen besseren Job. Davon sind wir überzeugt.

Nachhaltigkeit spielt heute auch beim Bau und bei der Innenarchitektur eine zentrale Rolle. So sollen etwa die Werkstoffe aus der Region stammen. Etwas provokativ gefragt: Gibt es überhaupt genug Kirschholz aus dem Kanton Zug für die Tische und Holzverkleidungen unserer Geschäftsstellen? 

Wir verstehen Nachhaltigkeit gesamtheitlich. Bei Renovationen analysieren wir zusammen mit den Fachplanern und dem Totalunternehmer – in diesem Fall die Alfred Müller AG – den Zustand des Gebäudes. Dabei stellen wir uns Fragen wie: Welche Komponenten können auf sinnvolle Art und Weise wiederverwendet werden? Kann die Lebensdauer mit einer Revision verlängert werden? Circular Economy ist ein wichtiger Ansatz für den ressourcenschonenden Umgang. Diesen verfolgen wir auch im Produktionsprozess. Nachhaltig ist ebenfalls, wenn man eine zeitlose Gestaltung mit qualitativer Umsetzung anstrebt, welche die Lebensdauer erhöht. 
Der Trend zum Echten unterstützt uns dabei; es geht um Themen wie Lebensdauer und Kosten/Nutzen-Analysen. Die Zuger Kantonalbank legt Wert auf die Echtheit der Materialien und der Herkunft. Das schätzen wir sehr, denn es ist auch unsere Philosophie. Beim Furnier ist es tatsächlich so, dass es sich um Schweizer Kirschbaum handelt. Das Ziel der Bank war es, möglichst alles «Swiss made» und in Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen zu realisieren. Wir müssen in den Werkplatz Schweiz investieren, um das Know-how zu bewahren und die Innovation zu erhalten. 

Die Firma Gehri AG hat eine eigene Schreinerei. Wird diese bald obsolet, weil massgefertigte Möbel zukünftig aus 3D-Druckern kommen? 

Unser Familienunternehmen haben wir über die letzten 54 Jahre von der Kleinschreinerei weiterentwickelt und mit einer praktisch eigenständigen interdisziplinären Planungs- und Designabteilung ergänzt.

Bereits im Jahr 2010 haben wir für eine Kantonalbank transluzente Leuchtenschirme 3D-gedruckt. Die Technik hat sich seither weiterentwickelt. Die Oberflächen bestehen nach wie vor aus Kunststoffen, die zum Teil sogar kompostierbar sind, was vor allem für die Entwicklung von Serienprodukten und die Designentwicklung interessant ist. Trotz aller «Virtualität digitaler Medien» hält der Trend hin zu natürlichen Materialien und Authentizität jedoch unvermindert an. Wir haben beispielsweise einen höhenverstellbaren Arbeitstisch aus Massivholz entwickelt, der sich grosser Beliebtheit erfreut – dies wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen. Für jede Tendenz gibt es auch eine Gegentendenz. Wir versuchen, diese zu antizipieren und uns mit der Zeit und den entsprechenden Trends weiterzuentwickeln – denn nichts ist für immer.

Welches sind nebst Nachhaltigkeit und automatisierten Produktionsprozessen die Makrothemen, die Sie und Ihre Branche beschäftigen? 

In unserem Designteam sind wir sind vor allem auf die Innenräume in öffentlichen Objekten spezialisiert in allen Landesteilen der Schweiz. Die Disruption in der Digitalisierung bei unseren Hauptkunden hat direkten Einfluss auf die Gestaltung und die Ansprüche. Die Anforderungen verändern sich ständig. Das ist spannend und fordert uns in der Kreativität. Unsere Investitionen in die Digitalisierung eröffnen uns neue Möglichkeiten in der Gestaltung und damit in der Unterstützung unserer Kunden. Zudem diversifizieren wir unsere Aktivitäten in Design und Innenarchitektur in anderen Bereichen des öffentlichen Sektors. Orte, die berühren, zum Verweilen und zum aktiven Austausch einladen, werden auch in Zukunft gefragt sein. Denn die Menschen suchen nach Erlebnissen an stimmigen Orten. Genau darin unterstützen wir unsere Kunden, was uns grosse Freude bereitet.

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Impressionen aus den modernisierten Geschäftsstellen

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Jonas Reif

Jonas Reif

Jonas Reif, Berater Kommunikation, findet es auch nach Jahren in der Kommunikationsbranche faszinierend, wie die richtige Botschaft in der passenden Tonalität, die Reputation einer Organisation stärken kann. Wenn er nicht gerade am Schmieden einer Kommunikationskampagne für die ZugerKB ist, geniesst er die Zentralschweizer Landschaft rund um den Vierwaldstättersee, sei als Stand Up Paddler, sei es geruhsam meditierend am Ufer.


Kategorien: Leben

Tags: Gesellschaft , Mitarbeiter , Nachhaltigkeit