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Wann ist man reich?

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Wie viel Geld muss ich auf dem Konto haben, um als «reich» zu gelten? Was sind das für Menschen, die im Wealth Management betreut werden? Und macht Geld wirklich zufrieden? Diese und andere Fragen beantwortet Ralf In-Albon, Head Desk Private Banking. Seit über 17 Jahren betreut er Kundinnen und Kunden, die über ein stattliches Vermögen verfügen.

© Adobe Stock, Nejron Photo

Ralf In-Albon

Ralf In-Albon arbeitet seit 2004 für die ZugerKB. Er leitet als Desk Head Private Banking ein Team von sechs Mitarbeitenden. Er schätzt den persönlichen Kontakt zu seinen Kundinnen und Kunden und steht diesen in allen Lebenslagen zur Seite. Für ihn bedeutet Glück, Zeit mit seiner Frau und seinen zwei Kindern zu verbringen.

Apropos «stattlich», Ralf, was heisst genau?

Welche Personen im Private Banking betreut werden, kann man pauschal nicht sagen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir unterscheiden beispielsweise, ob es sich um Vermögen handelt oder um ein hohes Einkommen oder um beides. Ab rund einer Million Franken im Depot ist man im Private Banking sicher richtig aufgehoben. Aber auch hohe Löhne können ein Grund sein, um ins Private Banking einzusteigen. Wer zum Beispiel in der Pharmaindustrie oder im Rohstoffbereich arbeitet, verdient schon mal 250 000 Franken pro Jahr. Solche Kundinnen und Kunden unterstützen wir bei ihren Zielen und Träumen.

Wobei unterstützt du deine Kundinnen und Kunden?

Das ist ganz unterschiedlich. Viele meiner Kundinnen und Kunden haben zum Beispiel keine Erben und möchten ihr Vermögen einer Stiftung vermachen oder es an gemeinnützige Organisationen spenden. In diesem Fall berate ich sie und zeige zielführende Wege auf. Andere sind mit Mitte zwanzig bereits Millionäre und haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Sie haben meist andere Bedürfnisse als ältere Kundinnen und Kunden. Und unsere ausländische Kundschaft, unsere sogenannten Expats, verfolgen oft nochmals andere Ziele.

Wie unterscheiden sich diese Ziele?

Das hat was mit der Art und Weise zu tun, wie diese Personen leben und worauf sie Wert legen.

Meinst du, dass reiche Schweizer sich von reichen Expats unterscheiden?

Pauschal kann man das so nicht sagen. Aber in all den Berufsjahren als Berater im Bereich Private Banking ist mir aufgefallen, dass es eine kulturelle Vielfalt gibt im Hinblick auf Geld. Schweizerinnen und Schweizer erlebe ich beispielsweise öfter als eher zurückhaltend. Sie tragen ihren Reichtum weniger nach aussen. Bei manchen habe ich sogar das Gefühl, es sei ihnen unangenehm, reich zu sein. Im Gegensatz dazu habe ich zum Beispiel einige deutsche, britische und norwegische Kundinnen und Kunden als eher extrovertiert erlebt. Aber wie gesagt: Jeder Mensch ist anders und pauschalisieren wäre falsch. Es sind lediglich persönliche Eindrücke, die ich in bald 20 Jahren Berufserfahrung sammeln durfte.

Sind die meisten Leute reich, weil sie geerbt haben?

Das ist eine Möglichkeit, Reichtum zu erlangen. Aber auch hohe Löhne spielen eine Rolle. Und es gibt viele erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit der eigenen Firma viel Geld verdienen. Ausserdem gibt es immer mehr Kryptomillionärinnen und -millionäre.

Sind das junge Aufsteiger, die das grosse Geld wittern?

(lacht) Nein, ganz und gar nicht. In Kryptowährungen investieren Anlegerinnen und Anleger jeden Alters. Neu haben auch Millionäre den Kryptomarkt für sich entdeckt.

Woran liegt das?

Sie sind neugierig, möchten mit der Zeit gehen und haben erkannt, dass digitale Währungen die Zukunft des Geldes sind.

Macht Geld glücklich?

Nein, aber es beruhigt. Statistiken belegen, dass reiche Menschen durchaus ein höheres Wohlbefinden haben. Sie sind in der Regel gebildeter, sie haben gute Jobs, sie ernähren sich gesünder und leben länger. Das hat vor allem damit zu tun, dass Reichtum den Zugang zu diesen Privilegien ermöglicht. Doch glücklicher sind sie deswegen nicht zwingend. Ich erlebe oft Familienstreitigkeiten – nicht selten geht es dabei ums Geld. Auch sind viele Reiche einsam, weil sie sich zurückziehen. Sie haben Angst vor falschen Freunden, gespielter Zuneigung oder vorgetäuschter Liebe. Aber Glück kann meines Erachtens einfacher erreicht werden, wenn man reich ist, weil die Lücke zwischen dem Erwarteten und dem Erreichten – welches Glück ja bestimmt – schneller geschlossen werden kann.

Wie meinst du das genau?

Mit Geld kann ich mir Dinge leisten, die unter Umständen glücklich machen oder zumindest teilweise zum eigenen Glück beitragen. Reiche Menschen müssen sich keine Sorgen machen, wie sie ihren Kühlschrank füllen oder die nächste Heizkostenabrechnung zahlen. Sie befinden sich auf Stufe der Selbstverwirklichung der maslowschen Bedürfnispyramide.

Vermögend sein in drei Worten bedeutet für dich …

Sicherheit, Unabhängigkeit und Vermögen helfen, Lebenskrisen abzusichern.

Welches Erlebnis bleibt dir als Berater für immer im Gedächtnis?

Als ich vor vielen Jahren als Client Advisor bei der UBS gearbeitet habe, hatten wir einen belgischen Kunden. Dieser junge Mann legte keinen sonderlichen Wert auf Äusserlichkeiten, er schlief sogar zeitweise auf der Strasse. Ab und zu kam er vorbei, da er noch ein kleines Depot, das er geerbt hatte, bei uns führte. Meine Kolleginnen und Kollegen schoben mich jeweils vor, wenn er kam; niemand schien sich in seiner Gegenwart richtig wohl zu fühlen. Dieser Kunde und ich verstanden uns je länger, je besser – er war eine äusserst interessante Persönlichkeit. Eines Tages kam mein Chef auf mich zu und eröffnete mir, dass er den Kunden ab sofort selbst betreuen werde. Der junge Mann hatte aus einer Familienerbschaft über 400 Millionen Euro vererbt bekommen. Damit, so scheint es, wurde er auch für andere interessant. Was ich damit sagen will: Beurteile nie einen Menschen nach seinem Aussehen, seiner Herkunft oder seinem Vermögen.

Zum Abschluss, Ralf: Wann ist man reich?

Reich im finanziellen Sinn ist, wer nicht arbeiten muss. Aber viel wichtiger: Reich ist, wer innere Zufriedenheit erreicht hat.

Vielen Dank für das Interview.

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Ina Gammerdinger

Ina Gammerdinger

Ina Gammerdinger, Projektleiterin Kommunikation, ist seit 2018 bei der ZugerKB. Sie sorgt dafür, dass die richtigen Themen die richtigen Personen erreichen. Ihre Arbeit ist eine Mischung aus Redaktion, Social Media Hub, digitalem Labor und Schreibmaschine – sie ist so wandelbar wie ihre Texte. Am liebsten schreibt sie über gesellschaftliche Trends. Privat steht ihr Hund an erster Stelle.


Kategorien: Geld

Tags: Vermögen


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