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20. Mai 2022

Tragbarkeit sichern

Andreas Faessler

Durch den Inflationsdruck hat sich das Zinsniveau etwas angehoben. Wer eine Immobilie erwerben will, sollte nach wie vor geduldig sein.

Personen auf Balkon

Hat man die Gelegenheit, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, spielen auch persönliche Faktoren bei der Finanzierung eine Rolle.
Bild: Getty

Alex Müller, wie sind die Prognosen für die allgemeine Zinsentwicklung kurzer wie langer Laufzeiten, falls die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins im kommenden Jahr anhebt, was ja einige Experten vermuten?

Wir gehen zurzeit von keiner Anhebung der Leitzinsen im aktuellen Jahr aus. Die ökonomischen Rahmenbedingungen dürften im Jahresverlauf anspruchsvoller werden, was nicht für anhaltend schnell steigende Kapitalmarktzinsen spricht. Ob im Jahr 2023 die Leitzinsen angehoben werden, hängt stark davon ab, wie sich die Konjunktur im Umfeld erhöhter Inflation entwickelt und wie vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) darauf reagieren wird.

Wirkt sich die Pandemie noch immer auf die Zinslage aus?

Die Pandemie hat die Tendenz zu tieferen Zinsen verstärkt. Die raschen Zinsschritte der US-Notenbank haben anfänglich global zu einem regelrechten Zinssenkungswettlauf geführt. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Aufgrund der Situation des Kriegs in der Ukraine und der damit steigenden Rohstoffpreise bleibt der Inflationsdruck sowohl in den USA als auch in Europa hoch.

Können Sie das noch genauer ausführen?

Dem Anstieg der US-Zinsen konnten sich auch die europäischen Märkte und damit die Schweiz nicht entziehen. Das gesamte Zinsniveau wurde dadurch etwas angehoben. Dies zeigt sich natürlich auch in den Festhypotheken, die sich nach diesen Sätzen ausrichten.

Empfehlen Sie angesichts der Prognosen noch immer, Hypotheken für die Finanzierung einer Immobilie zu staffeln? Oder zu welcher Strategie raten Sie angesichts der sich wohl ändernden Zinslage?

Dieser Entscheid ist grundsätzlich immer sehr individuell und hängt auch von der gewünschten Planungssicherheit bei den Zinszahlungen ab. Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden aber aufgrund der derzeitigen Situation, ihre Hypotheken grundsätzlich zu staffeln und in Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufzuteilen.

Sollten Eigenheime tatsächlich deutlich teurer werden, worauf sollten Kaufwillige jetzt besonders Acht geben?

Eine Immobilie zu erwerben, hängt weiter von vielen individuellen Faktoren ab wie beispielsweise der Einkommens- und Vermögenssituation, aber auch von individuellen Präferenzen. Ausserdem sollte man geduldig bleiben: Die Objekte sind rar, die Preise hoch. Zentral ist der langfristige Gedanke beim Kauf einer Immobilie, gerade im aktuell immer noch verlockenden Tiefzinsumfeld. Besonders wichtig: Wer die niedrigen Zinsen mit langfristigen Hypotheken sichert, sollte diese Phase gleichzeitig für die Amortisation nutzen. So kann die Tragbarkeit auch im Alter gesichert werden.

Junge Menschen träumen oft von den eigenen vier Wänden. Was raten Sie ihnen?

Auch bei jungen Menschen spielen viele persönliche Faktoren eine Rolle. Sind sie genug motiviert, gezielt zu sparen und langfristige Anlagen zu tätigen? Denn nur so ist es möglich, sich irgendwann den Traum eines Eigenheims zu erfüllen. Je früher man damit anfängt, desto besser. Wichtig ist auch, dass man die steuerlichen Vorteile der Säule 3a möglichst konsequent nutzt und die gesparten Beträge investiert.

Alex-Müller

Alex Müller

Chief Investment Officer